Großenbrode: Heiko Simonsen ist neuer König der „Olen Gill“
02.07.2026, 08:45 Uhr
Heiligenhafener Post
Nach einem spannenden Schießen sicherte sich Heiko Simonsen die Königswürde der „Olen Gill vun 1771“. Beim Gildefest in Großenbrode wurden zudem zahlreiche neue Gildebrüder aufgenommen und langjährige Mitglieder geehrt.
Großenbrode – Nachdem „Buschi“ René Buschmann um 18.52 Uhr den oberen Teil des Gildevogels abgeschossen hatte, folgte am Sund in Großenbrode ein Krimi um die Königswürde. 15 Schützen hatten sich bemüht, den Rest des Vogels von der Stange zu holen, aber der wackelte ständig, als wollte er den Schützen zuwinken.
Für die Gildebrüder Thomas Maaß und „Kuddel“ Pfützenreuter, die das Geschehen als Moderatoren kommentierten, keine leichte Aufgabe. Immer wieder feuerten sie die Schützen mit lustigen Sprüchen wie „Günter, hol ihn runter“, „Bernd vom Sund legt an“ und „Jetzt schießt der Hühnerbaron“ an. Die Stimmung war auf dem Höhepunkt, denn auch die Zuschauerinnen und Zuschauer feuerten die Schützen an. Doch der Krimi um den Königsschuss dauerte fast eine halbe Stunde und war nichts für schwache Nerven.
Großer Jubel nach dem entscheidenden Treffer
Schließlich der langersehnte Aufschrei aus der Menge und aus dem Schießzelt. Gildebrüder rissen die Hände hoch und stürmten auf den Schießplatz. Kräftige Männerhände ergriffen Gildebruder Heiko Simonsen und feierten den neuen König auf ihren Schultern.
Glückwünsche kamen von allen Seiten. Zu den ersten Gratulanten gehörten auch Bürgermeister Peer Knöfler und der erste Ältermann der „Olen Gill“, Günter Schwarz. Von der Großen Bürgergilde zu Heiligenhafen gratulierte Ehrenältermann Horst Sachau, der mit einer Delegation, darunter der neue Gildekönig Sebastian Rohde, am Gildefest in Großenbrode teilnahm.
Lebensgefährtin Lisa Peltner eilte herbei und konnte ihr Glück im ersten Moment noch nicht fassen. Jetzt war Lisa Königin der „Olen Gill vun 1771“. Auf dem Königsball am Sonntag (5. Juli) im „MeerHuus“ werden König Heiko Simonsen und seine Königin Lisa die Gilde zum ersten Mal präsentieren.
Es folgte die Königsproklamation auf dem Gildeplatz, wo der zweite Ältermann Walter Grapengeter der neuen Majestät die schwere Königskette überreichte. Der Vorjahrskönig Jörg Eigenrauch gab die Königsplakette, die er am Hut trug, an seinen Nachfolger Heiko Simonsen weiter.
Zur Königsproklamation ließ Ältermann Günter Schwarz die gesamte Gilde mit Fahnenabordnungen auf dem Gildeplatz antreten. König Heiko Simonsen nahm dort die Front der Gildebrüder ab. Mit der deutschen Nationalhymne endete die Zeremonie auf dem Gildeplatz. Später traf man sich zum gemütlichen Beisammensein im Gillhus wieder, wo Gildekönig Heiko Simonsen, der in Heiligenhafen wohnt und in Großenbrode arbeitet, zur Festgemeinde sprach.
Zahlreiche Neuaufnahmen und Ehrungen
Der Festkommers der „Olen Gill“ begann mit einem Rückblick des Ältermannes Günter Schwarz, der sich mit der Entstehung Schleswig-Holsteins nach dem Zweiten Weltkrieg befasste. Seit 80 Jahren gäbe es nun Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, die es zu bewahren gilt, sagte Günter Schwarz. Der Ältermann erinnerte aber auch daran, dass die politischen Ränder zunehmend lauter werden. „Wir müssen für unsere Demokratie einstehen. Jeder kann dazu seinen Beitrag leisten“, sagte der Ältermann.
Als neue Gildebrüder traten Ralph Bradhering, Ron Kruse, Marlon Becker, Mats Peer Knöfler, Jonas Köster, Dennis Westphal und Joke Kissing in die Großenbroder Gilde ein. Wie Ältermann Günter Schwarz sagte, sei das eine gute Entwicklung, die man in den letzten Jahren erlebt habe.
Für ihre 25-jährige Mitgliedschaft wurden Rüdiger Glauflügel und Walter Liedtke geehrt. Gildebruder Jens Reise hatte die 25-jährige Mitgliedschaft schon im letzten Jahr vollendet, die Ehrenurkunde überreichte Ältermann Günter Schwarz. 40 Jahre gehört Gildebruder Falk Düring der Gilde an und freute sich ebenfalls über die Ehrung.
Auch der 1. Ältermann Günter Schwarz gehört der „Olen Gill“ seit 40 Jahren an. Die Ehrung übernahm Gildemajor Günter-Benjamin Schwarz, der Sohn des Ältermannes. Der Gildemajor ließ dann in Plattdeutsch die Lebensgeschichte seines Vaters Revue passieren, der 1986 in die Gilde eintrat.
„Du bist seit 2016 unser erster Ältermann und hast für die ‚Ole Gill‘ immer alles gegeben. Ich kann mir keinen besseren Ältermann vorstellen“, sagte Major Günter-Benjamin Schwarz in seiner Laudatio.
Ausruferkommando sorgt für Unterhaltung
Eine Ehrung gab es auch für das Ausruferkommando, das seit 2013 in dieser Zusammensetzung auftritt und immer wieder für Überraschungen sorgt. So organisierte es bei einem Gildefest in strömendem Regen kurzerhand einen Pavillon für die Kapelle und zog damit durchs Dorf. Ein weiteres Highlight war der Auftritt in Schottenröcken und mit Dudelsäcken im vergangenen Jahr, als das Gildefest ausgerufen wurde. „Ich weiß nicht, wo ihr so schnell das Dudelsackspielen gelernt habt“, kommentierte der Ältermann schmunzelnd.
Nach dem Festkommers formierte sich der Festumzug mit Musik durch Großenbrode, bei dem die Gilde am Ehrenmal einen Kranz niederlegte. „Wir gedenken allen Opfern von Krieg, Terror und Gewalt“, sagte Günter Schwarz.
Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung in der Politik und mit internationalen Krisen, die den Druck auf die Gesellschaft verstärken, brauche es mehr denn je Demokratie, Wachsamkeit, Respekt und Beteiligung, um stabil und widerstandsfähig zu bleiben und weiterhin in Frieden leben und feiern zu können, so der Ältermann am Ehrenmal.
Pastorin Jacqueline Gangi-Juny ging im Gottesdienst unter freiem Himmel auf die Traditionen des Gildelebens ein. Eine Tradition lebe davon, dass Menschen sie annehmen und weitertragen, dass sie ihr Herz daran hängen und diesen Schatz bewahren wollen.
Auch wer auf rund 250 Jahre Geschichte der „Olen Gill vun 1771“ zurückblicke, wisse, dass die Welt nicht stehen bleibe. Mit jeder Generation komme etwas Neues hinzu, es wachse etwas, und vielleicht werde auch das eine oder andere ersetzt, so die Pastorin.