Gartenglück im Wandel: Wie sich Kleingärten in Heiligenhafen verändert haben
07.08.2026, 16:39 Uhr
Von:
Patrick Rahlf
Heiligenhafener Post
Der Kleingärtnerverein Heiligenhafen – immerhin der zweitgrößte seiner Art in Ostholstein – feiert ein stolzes Jubiläum: Seit nunmehr 80 Jahren verbindet der Verein Natur, Gemeinschaft und Erholung in der Region. Dieses runde Bestehen wird am morgigen Sonnabend (8. August) ab 15 Uhr in der Kolonie Hermann Peters gebührend gefeiert.
Vereinsmitglieder und Gartenfreunde erwartet ein abwechslungsreiches Festprogramm für die ganze Familie. Neben feierlichen Ehrungen langjähriger Mitglieder sorgt Live-Musik für die passende Feststimmung. Auch an die jüngsten Besucher ist gedacht: Eine große Hüpfburg und verschiedene Kinderspiele wird es an diesem Tag geben. „Sehr gerne können auch Nichtmitglieder vorbeischauen. Wir sind immer offen für Neuzugänge und freuen uns besonders über junge Menschen, die Interesse an unserem Hobby entwickeln“, erklärte der 1. Vorsitzende Peter Fiedler.
Bewirtschaftung bleibt wichtiger Faktor
Während in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg die Lebensmittelversorgung durch die Gärten im Fokus stand und der Verein mehr als 1300 Mitglieder stark war, gewann in späteren Jahrzehnten immer mehr der Freizeitaspekt an Bedeutung. „Noch immer müssen auf mindestens einem Drittel der gepachteten Fläche Obst und Gemüse angebaut werden. Das ist in unseren Statuten festgelegt. Nur so können unsere Anlagen langfristig überleben und haben eine Daseinsberechtigung“, erklärte Fiedler, der dennoch einen grundlegenden Wandel ausgemacht hat. „Wer heute durch eine Kleingartenanlage geht, sieht ein anderes Bild als noch vor wenigen Jahrzehnten. Der klassische Kleingarten – geprägt von schnurgeraden Gemüsebeeten und penibel gemähtem Rasen – stirbt aus. In Zeiten von zubetonierten Schottergärten und intensiver Landwirtschaft werden unsere Kleingärten zu überlebenswichtigen Rückzugsräumen der Tierwelt.“
Im Rahmen der Biodiversität stehe bei vielen Pächtern mittlerweile das naturnahe Gärtnern im Vordergrund. „Das bedeutet aber nicht, den Garten komplett verwildern zu lassen oder auf die eigene Ernte zu verzichten. Ein lebendiger Garten bringt durch die natürliche Bestäubung oft viel höhere Erträge, denn Insekten sind das Fundament unseres Ökosystems“, berichtete Peter Fiedler.
Riesige Nachfrage während der Corona-Jahre
Der Kleingärtnerverein von 1946 hat aktuell 327 Mitglieder, die sich auf 317 Kleingärten aufteilen. Leerstand ist für den Verein nahezu ein Fremdwort, aktuell verfüge jede der vier Kolonien über lediglich ein oder zwei freie Parzellen. „Wer Interesse hat, kann gerne auf uns zukommen. Meist finden wir eine Lösung für eine zeitnahe Übernahme“, so Fiedler, dem besonders die Corona-Jahre in Erinnerung geblieben sind. Weil das Reisen in dieser Zeit stark eingeschränkt war, erlebten Kleingärten einen regelrechten Boom. „Wir konnten uns vor Interessenten kaum retten und hatten eine lange Warteliste“, blickte Peter Fiedler zurück. Doch jeder Boom endet einmal. „Mittlerweile sind drei Viertel der Menschen, die während der Corona-Zeit einen Kleingarten in Heiligenhafen gepachtet haben, schon wieder weg. Nachhaltig war das Interesse leider nicht“, blickte Peter Fiedler zurück.