Andreas Borchert hat seltenes Ereignis zum zweiten Mal im Sucher
Faszination Sonnenfinsternis
16.08.2026, 12:12 Uhr
Von:
Volker Graap
der reporter Plön/Preetz
Eigentlich war es in unseren Breiten nur ein Randereignis, und dennoch hat es vielen Menschen im Norden in seinen Bann gezogen: Als sich am vergangenen Mittwoch der Mond vor die Sonne schob, ruhten viele Augen auf diesem Naturschauspiel. Auch Andreas Borchert aus Löptin war von der partiellen Sonnenfinsternis begeistert.
Mit Freunden zum Beoachten am Postsee
„Ich war mit Freunden rechtzeitig um 19 Uhr unterhalb des Robinson-Spielplatzes am Postsee in Preetz und es hat sich gelohnt“, berichtet er. Mit seiner Kamera hat er 51 Fotos vom Anfang bis zum Ende der teilweisen Sonnenabdeckung gemacht. „Hinzu kommt, dass wir mit fremden Menschen um uns herum gemeinsam etwas Schönes erlebt und uns dabei ausgetauscht haben“, erzählt Borchert rückblickend. Und es war nicht die erste Finsternis, die er erlebt hat.
Totale Sonnenfinsternis am Big Ben fotografiert
Vor genau 27 Jahren und einem Tag war Borchert bereits Zeuge der nahezu totalen Sonnenfinsternis, die auch in Deutschland so zu erleben war. Und auch in Großbritannien: „Im August 1999 besuchte ich meine in England verheiratete Tochter. Auf der Rückfahrt war ich in London. Am 11. August stand ich inmitten von rund 50 Fotografen beim Big Ben in der Parliament Street und fotografierte um 12 Uhr die nahezu totale Sonnenfinsternis. Ich trug als Augenschutz eine professionelle Schweißerbrille mit einschraubaren Rundgläsern in einer tubenförmigen Metallfassung von der Howaldt-Werft in Kiel. Von einem englischen Fotografen wurde ich dazu befragt und auch fotografiert“, erinnert sich Borchert.
Ein Deutscher mit Schweißerbrille in London
Am nächsten Tag sei das Foto von ihm in einer englischen Tageszeitung erschienen – begleitet von einem stark politisch eingefärbten Text, der das schwierige englisch-deutsche Verhältnis thematisierte. Sinngemäß stand darin: „Ein Deutscher reist extra nach England, weil er nur hier eine fast totale Sonnenfinsternis erleben kann. Er kommt aber wirklich nur in friedlicher Absicht, traut aber doch den englischen Schutzbrillen keinen ausreichenden Schutz zu. Er bringt seine Berufs-Schweißerbrille von einer deutschen Werft mit, die in der Vergangenheit Kriegsschiffe gegen England gebaut hat. Er durfte trotzdem seine Fotos machen, denn England ist eine großzügige, großartige Nation.“
Mit Tele-Modus und Selbstauslöser
Über ein Vierteljahrhundert später verdunkelte sich nun in Preetz am Postsee wieder die Sonne. „Ich konnte Fotos in Farbe mit einer modernen Kamera davon machen. Ein schweres Stativ, die Kamera im extremen Tele-Modus und höchste Konzentration, um die gleitende Sonne immer in der Mitte zu halten. Nur mit dem Selbstauslöser gelingen scharfe Aufnahmen, da eine auch sehr zarte Handauslösung schon zum Verwackeln neigt. Auf der Bank neben mir unsere Freunde Ingrid und Hermann Dick aus Preetz. Um uns herum ungefähr zehn andere Schaulustige. Ein Mann hatte aus einem Schuhkarton eine Lochkamera gebaut. An einer schmalen Seite hatte er rechts mit einer Hutnadel ein Loch gestochen, links daneben ein 1 cm großes Guckloch eingeschnitten. Diese Seite wurde zur Sonne gehalten. Nun ließ er verschiedene Leute mit dem rechten Auge durch das Loch sehen. Auf der gegenüberliegenden Innenseite im Karton war nun die Sonne auf der Projektionsfläche deutlich abgebildet“, berichtet Borchert. Mehreren jungen Frauen, die erst am Postsee eintrafen, als die Sonne versunken war, bot er an, vom Display seiner Kamera einige Aufnahmen mit dem Handy abzulichten. Und davon machten sie reichlich Gebrauch.
Erstaunlich, wie so ein Ereignis, das vorher kaum jemand auf der Rechnung hatte, für Begeisterung sorgen kann – auch wenn sich eine Finsternis hier im Norden nicht übers Land gelegt hat.