Familientradition setzt sich fort – Sebastian Rohde erringt die Königswürde
08.06.2026, 09:34 Uhr
Heiligenhafener Post
Heiligenhafen – So zeitig hat es noch kein Gildebruder geschafft, den Königsschuss zu landen: Gildebruder Sebastian Rohde holte Freitagabend um 18.30 Uhr den Rest des Gildevogels von der Stange. Ein Aufschrei aus der Menge und schon riefen die Gildebrüder „Hura, wir haben einen neuen König“. Kräftige Arme hoben den neuen König in die Höhe, und so wurde König Sebastian auf den Schultern seiner Gildebrüder gefeiert.
Ehefrau Kathleen Rohde eilte herbei und umarmte ihren Mann. „Ich habe mir das immer gewünscht, Gildekönig zu werden, und heute ist ein Wunsch für mich und meine Frau erfüllt worden“, sagte die neue Majestät.
In der Familie Rohde ist Sebastian das dritte Familienmitglied, das Gildekönig geworden ist. Sein Großvater Ernst-August Rohde machte im Jahr 1977 den Anfang, Vater Jan Rohde konnte 2007 die Königswürde erlangen, und nun – 19 Jahre später – setzt Sebastian Rohde diese Tradition fort.
Gegenüber der Heiligenhafener Post sagte Vater Jan Rohde: „Ich bin stolz auf meinen Sohn. Ich hätte mir aber gewünscht, dass mein Vater, Ernst-August, zwei Jahre länger gelebt hätte, dann hätte auch er sich an der Königswürde seines Enkels erfreuen können. Als ich 2007 König war, lebte mein Vater noch, und Sebastian war noch ein junger Steppke und hat damals schon immer gesagt: ‚Papa, wenn ich mal groß bin, möchte ich auch Gildekönig werden‘.“
Erstaunen über den frühen Königsschuss auch beim ersten Ältermann Jan-Hendrik Lohde. „So schnell sind wir noch nie fertig geworden“, sagte der Ältermann in einem ersten Statement. „Wir haben einen guten König, aber ich möchte auch seinem Mitbewerber Sascha Dierkes danken, der wirklich Mut gezeigt hatte.“
Wenige Minuten später fand auf dem Seebrückenvorplatz die Königsproklamation statt, bei der der zweite Ältermann Björn Engler dem neuen König die Königskette umlegte. Danach wurde Vorjahreskönig Bernd Thede die Kette des Vizekönigs übergeben.
Im Anschluss nahm der neue König zur Musik „Ich bete an die Macht der Liebe“, begleitet vom ersten Ältermann, die Front der angetretenen Gildebrüder ab. Danach war der Festzug angetreten, um den neuen König nach Hause zu bringen.
Eine wahre Meisterleistung hatten die Gildeschwestern vollbracht, die den Empfang des Königspaares und des Festumzuges vorbereitet hatten. So entstand am Hafen auf dem Platz vor der „Ostseetruhe“ schnell eine Partyzone mit Tischen und Bänken. Bei Getränken und Bockwurst satt feierte das neue Königspaar mit seinen Gästen den Beginn des Königsjahres.
Gildekommers mit vielen Ehrungen
Man muss sich wundern, wie viel Platz im neuen Gildehaus am Erlenweg ist. Zum Festkommers konnte der erste Ältermann Jan-Hendrik Lohde nicht nur die Heiligenhafener Gildebrüder, sondern auch zahlreiche Abordnungen befreundeter Gilden und Vereine begrüßen.
Zu den Gästen gehörten auch Landrat Timo Gaarz, der selbst Gildebruder ist, Bürgervorsteherin Petra Kowoll, der stellvertretende Bürgermeister Stephan Karschnick sowie von der Sparkasse Holstein das neue Vorstandsmitglied Thomas Bothe.
Von viel Humor getragen war das Grußwort des Landrates Timo Gaarz an die große Gildefamilie. Ein Dank ging an die zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Gildemajestät Bernd Thede und seine Frau Carola, die Spenden für „Kinder auf Schmetterlingsflügeln“ und die Jugendfeuerwehr gesammelt hatten. Das Gildeoriginal Bernd Thede ist über 50 Jahre Gildebruder mit Herz und Leidenschaft und wurde für seinen Einsatz mit dem Gildeehrenkreuz ausgezeichnet, so der Landrat.
Gaarz bemängelte auch die Dienstausstattung des Gildepolizisten Peter Krey, der durch Gildebruder Christian Heyer verkörpert wird. Ausgestattet mit Pickelhaube erinnert er an einen Polizisten von 1896, wo die Polizeihoheit noch zu Preußen gehörte. Der Landrat bot an, den Gildepolizisten der Kreispolizeibehörde zuzuordnen, um die Bäderpolizei zu verstärken. Vorher sollte er aber eine Grundausbildung an der Polizeischule in Eutin machen, so Gaarz, der mit einem Augenzwinkern pinke Handschellen übergab, die er in Bürgermeister Kuno Brandts Büro gefunden hätte.
„Gilde ist ein Stück Heimat“
„Gilde ist ein Stück Heimat und nicht politisch zu verstehen. Heimat ist ein Gefühl von Zuhause – da komme ich her und da fühle ich mich wohl“, sagte Timo Gaarz. Und dieses Gefühl trete an diesem Tag, an dem das Gildefest gefeiert werde, besonders in den Vordergrund und in die Herzen, sagte der Landrat.
Bürgervorsteherin Petra Kowoll überbrachte die Grüße der Bürgerinnen und Bürger zum Gildefest. Die Stadt sei seit Wochen geflaggt und bereite sich auf das Gildefest vor. Doch auch die Gilde sei geprägt vom Ehrenamt, das in der Gilde gelebt werde. Diese Hilfsbereitschaft halte die Gemeinschaft der Gilden zusammen. Dafür bedankte sich die Bürgervorsteherin, die selber Gildeschwester ist.
Als neues Gildemitglied schrieb sich Jens Reise aus Großenbrode in die Gilde ein und leistete vor dem Vorstand den Gildeeid. Auch die Schafferprüfung mit dem Schellenbaum hatte Jens Reise mit Bravour bestanden.
Wie auf jedem Festkommers üblich, wurden auch in diesem Jahr viele verdiente Mitglieder geehrt. Eine Ehrenurkunde für 40 Jahre Gildezugehörigkeit überreichte der Ältermann an Gildebruder Horst Sachau. 25 Jahre gehören Sören Maschmann und Oliver Leu der Großen Bürgergilde an. Eine Erinnerungsurkunde an sein Königsjahr überreichte der Ältermann an Gildekönig Bernd Thede.
Aus der Gildekapelle wurden die Musiker Thomas Arlt für 40 Jahre Mitgliedschaft, Esther Doyen für 30 Jahre und Svenja Lohde für 30 Jahre mit einer Urkunde geehrt. Zum 65. Hochzeitstag, der Eisernen Hochzeit, gratulierte der Ältermann Gildebruder Ernst-Hermann Rohlf und seiner Frau Ingrid. Die Gesellschaft ließ im Anschluss die Eheleute hochleben.
Jan-Hendrik Lohde dankte dem Rettungsdienst, der bei einem medizinischen Notfall hervorragend reagiert habe. Erleichtert teilte Lohde bei der Königsproklamation später mit, dass der König von der Concordia-Gilde wieder gesund zu Hause sei. Allerdings habe die Kranzniederlegung am Ehrenmal sich durch den Notfall verzögert, da der Festumzug losmarschiert sei, aber den Kranz vergessen hatte. Der Kranz wurde geholt, und so konnte die Kranzniederlegung mit kurzer Verzögerung erfolgen.
Beim Schießen an der Seebrücke schauten alle auf die Wetter-App, denn Nieselregen machte sich breit. Wettermacher Sören Maschmann kommentierte: „Das war doch gut für die Rosen.“ Das Wetter wurde immer besser, und so fand das Schießen im Trockenen statt.