Rückhalt auf dem Weg zur richtigen Entscheidung

Eutiner Hospizinitiative bietet ambulante Ethikberatung an

19.08.2026, 13:23 Uhr
Von:
der reporter Eutin/Malente

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Anette Müller, Klaus Häring und Wiebke Kayser-Bauch (v.li.) sind für die ambulante Ethikberatung qualifiziert.

Anette Müller, Klaus Häring und Wiebke Kayser-Bauch (v.li.) sind für die ambulante Ethikberatung qualifiziert. © Astrid Jabs

Ein Mensch ist schwer erkrankt, Heilung nicht mehr möglich. Neben dem Schmerz und anderen schwerwiegenden Symptomen sehen sich Betroffene und Angehörige in einer solchen Situation häufig mit tiefgehenden Fragen konfrontiert, die eine schnelle Antwort erfordern: Wie soll man damit umgehen, wenn die Nahrungsaufnahme verweigert wird oder nicht mehr möglich ist? Kommt künstliche Ernährung in Betracht? Welche Medikamente auf der langen Liste sind noch sinnvoll? Entscheidungen, die Konflikte auslösen können – im einzelnen Menschen, aber auch in Familien und Betreuungsteams.

Die ambulante Ethikberatung der Eutiner Hospizinitiative kann Orientierung bieten und neue Perspektiven öffnen: „Unser Ziel ist es gemeinsam eine ethisch vertretbare Empfehlung zu finden, die alle Betroffenen gut annehmen können“, erklärt Anette Müller von der Hospizinitiative.

Am Anfang der Beratung werden die Fakten gesammelt: Wie lautet die Diagnose, welche Handlungsmöglichkeiten gibt es und – besonders wichtig – welche Konsequenzen hat die jeweilige Entscheidung, zum Beispiel für oder gegen eine Ernährung über eine Sonde? Diese und andere Fragen werden unter medizinethischen Aspekten in Blick genommen. Was schadet und was nützt? Vor allem aber: Wie ist der Wille des kranken Menschen? „Es geht um nicht weniger als die Würde des Einzelnen, denn jeder Mensch hat das Recht auf eine eigene Entscheidung. Und die kann auch lauten: Ich nehme in Kauf, dass ich nicht länger lebe.“, legt Wiebke Kayser-Bach dar, die wie Anette Müller und Klaus Häring zum Team der Ethikberatung gehört. Ihre gemeinsame Erfahrung lautet: „Viele Menschen sehen klarer, wenn man die Dinge konkret benennt.“

Oft reicht schon ein informatives Gespräch, um einen Pfad aufzuzeigen, den Betroffene oder Angehörige annehmen können. Ist die Situation komplexer, ist der Weg, gemeinsam mit allen von der Situation betroffenen Personen wie zum Beispiel Patient*in, An- und Zugehörige, Fachgruppen etwa aus den Bereichen Medizin, Pflege usw. die vorliegende Situation zu erörtern und eine tragfähige und ethisch vertretbare Empfehlung im Sinne und zum Wohle der betroffenen Menschen zu erarbeiten. Dazu kommt Klarheit in der Frage: „Was darf ich entscheiden und was will ich entscheiden?“ Es gehe wesentlich auch darum, die Familie in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken, erläutert Anette Müller.

Die Beratung kann im Krankheitsverlauf stattfinden, aber auch im Nachhinein in Anspruch genommen werden, um Erlebtes aufzuarbeiten. Auf die meisten Fragen kann eine Antwort gegeben werden: „Wir haben viel fachliche Expertise im Verein“, betont Klaus Häring, selbst auch im Betreuungsverein aktiv und entsprechend qualifiziert. Die Beratung erfolgt mindestens in Zweier-Teams, wobei eine Person Protokoll schreibt und den Prozess beobachtet:

 „Zwischentöne, Blicke, auch körperliche Reaktionen wahrzunehmen, ist wichtig, auch für unsere interne Nachbetrachtung“, unterstreicht Wiebke Kayser-Bauch.

Die Beratung richtet sich an Fälle im ambulanten Bereich, also in häuslicher Versorgung oder in einer Pflegeeinrichtung. Es handelt sich um ein kostenloses Angebot. Vertraulichkeit ist selbstverständlich. Interessierte können unter Telefon 04521-790776 oder per E-Mail an info@hospizinitiative-eutin.de Kontakt aufnehmen.

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