„Es geht um Sicherheit, nicht um Bequemlichkeit!“

Eltern haben große Bedenken gegen die Abschaffung des Schulbusses „Tim Kreuzer“

23.08.2026, 11:54 Uhr
Von:
der reporter Eutin/Malente

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Ein Kommentar von Astrid Jabs aus unserer Redaktion Eutin/Malente finden Sie unten im Text.

Ein Kommentar von Astrid Jabs aus unserer Redaktion Eutin/Malente finden Sie unten im Text. © Annika Loewe

Das Schuljahr beginnt für einige Malenter Eltern mit Grundschulkindern mit einem echten Aufreger: Am kommenden Dienstag, 25. August, wird der Schulausschuss der Gemeinde über einen „Fahrplanwechsel im ÖPNV“ beraten.

Die Fahrzeiten sollen so verändert werden, dass Strecken und Fahrten, die bislang von Bürgerbus und vom Schulbus übernommen worden sind, nun vom ÖPNV abgedeckt werden. „Die bislang praktizierte individuelle Beförderungsregelung für die Grundschulen in Malente wird damit aufgegeben. Hierdurch wird das Verkehrsangebot übersichtlicher, für die Fahrgäste leichter verständlich und sowohl für den Kreis Ostholstein als auch für die Gemeinde Malente organisatorisch einfacher umsetzbar“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Das würde das Aus für den Schulbus „Tim Kreuzer“ bedeuten. Inkrafttreten soll die Änderung mit dem 3. Januar 2027. Vorausgesetzt, die Malenter Gemeindevertretung folgt dem Vorschlag der Verwaltung. Dies wollen betroffene Eltern verhindern.

„Wir möchten unsere erheblichen Bedenken gegen eine erneute Abschaffung des Schulbusses ‚Tim Kreuzer‘ und die geplante Beförderung der Grundschulkinder mit dem regulären öffentlichen Linienverkehr zum Ausdruck bringen“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung besorgter Mütter und Väter. Es gehe ihnen nicht um Bequemlichkeit, sondern um die Frage, ob sechs- und siebenjährige Kinder ihren Schulweg unter den vorgesehenen Bedingungen tatsächlich sicher und selbstständig bewältigen können, unterstreichen sie. Besonders kritisch sehen sie die Situation für Erstklässler aus Rachut und Kreuzfeld. Die dort vorgesehenen öffentlichen Haltestellen erforderten Wege und teilweise Straßenquerungen, die für Erstklässler problematisch seien: „Insbesondere eingeschränkte Sichtverhältnisse beim Überqueren der Straße können dazu führen, dass herannahende Fahrzeuge von den Kindern erst spät wahrgenommen werden.“ Entsprechend fordern die Eltern Politik und Verwaltung auf, die konkreten Schulwege und Straßenquerungen in Rachut und Kreuzfeld vor Ort zu überprüfen – und zwar ausdrücklich unter dem Gesichtspunkt, ob ein sechsjähriges Kind diesen Weg ohne Begleitung sicher bewältigen könne.

Weiter führen sie an, dass sich die öffentliche Haltestelle nicht unmittelbar an der Schule befindet. Der Schulbus hielt direkt an der Schule: „Für die Kinder entstehen dadurch zusätzliche Wege zwischen Schule und Haltestelle“, so die Eltern. Auch dies müsse Teil einer Sicherheitsbewertung sein. Ein weiterer Punkt der Argumentation sind die Fahrpläne: Von einem Kind, das gerade eingeschult wurde, könne nicht erwartet werden, einen Fahrplan selbstständig zu lesen und zu verstehen. Bei Verspätungen, Ausfällen oder Änderungen kann das zum Problem werden.

Zudem sei der Busfahrer gerade für Kinder im Grundschulalter eine wichtige Vertrauensperson, wechselnde Fahrer*innen des ÖPNV können diese Funktion kaum übernehmen.

Nicht zuletzt geht es um die Zahlen. Die Verwaltung nennt auf Grundlage der aktuellen Kalkulation eine jährliche Kostenersparnis in Höhe von insgesamt circa 77.747,01 Euro. Diese setze sich aus Einsparungen bei den bisherigen Schülerbeförderungsfahrten in Höhe von 6.314,40 Euro sowie dem Wegfall anteiliger Personalkosten der Schulbusfahrer in Höhe von insgesamt 71.432,61 Euro zusammen. Die Elterninitiative bezweifelt ihrerseits nach gründlicher Beschäftigung mit den Kosten, dass diese finanzielle Einsparung für den Gemeindehaushalt bei Abschaffung der gemeindeeigenen Schulbusse und deren Ersatz durch zusätzliche Fahrten der Autokraft Busse (Erweiterung des ÖPNV) in dieser Höhe eintreten werde. Darüber habe man auch die Mitglieder des zuständigen Sozialausschusses informiert: „Wir sind gespannt auf die Entscheidung der Gemeindevertreter!“ Bislang seien ihre Argumente nicht berücksichtigt worden, stellen sie enttäuscht fest. Die Schüler*innenbeförderung in den ÖPNV einzugliedern, sei ein Rückschritt, kein Fortschritt.

Die Forderung an die Politik lautet, alle Punkte vor einer Entscheidung genau zu prüfen und sich vor Ort ein Bild zu verschaffen: „Die Sicherheit unserer Kinder sollte bei dieser Entscheidung Vorrang vor einer rein finanziellen Betrachtung haben!“ Wie die Ausschussmitglieder darauf reagieren, wird am Dienstag um 18 Uhr auf der öffentlichen Sitzung im Klönzimmer im Kurhaus, Bahnhofstraße 4a, in Malente zu erleben sein.

Kommentar von Astrid Jabs aus unserer Redaktion:

Familien haben ein Recht auf Verlässlichkeit

Das Schuljahr ist eine Woche alt und so manche Familie, die für den Schulweg auf den ÖPNV setzt, hat erste ernüchternde Erlebnisse hinter sich. Busse, die nicht fahren, ein Kundeservice, der zwar freundlich ist, aber auch nicht wirklich weiterhelfen kann. Ratlos am ZOB zu sitzen ist auch ältere Kinder kein Vergnügen, Grundschulkindern Busausfall zuzumuten, ist schlicht nicht möglich. Städte und Gemeinden, die sich für die Schüler*innenbeförderung auf den ÖPNV verlassen wollen, müssen sicherstellen, dass auf diesen auch wirklich Verlass ist, und Elternbedenken ernstnehmen. Auch manches der vielkritisierten „Elterntaxis“ wäre dann überflüssig.

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