Historisches Kleinod aus der Reeder-Familie Maßmann ist künftig im Heimatmuseum Heiligenhafen zu sehen
Eine Seemannskiste kehrt heim
28.08.2026, 18:04 Uhr
Von:
Peter Foth
Heiligenhafener Post
Die historische Seemannskiste von Kapitän Rudolf Maßmann hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nun wird sie gemeinsam mit einer besonderen Flagge im Heimatmuseum ausgestellt.
Wenn wir heute auf das Meer hinausschauen, sehen wir Containerschiffe und globale Logistik. Doch in den Erinnerungen der Heiligenhafener Reeder-Familie Maßmann und den überlieferten Erzählungen sieht das Meer noch anders aus. Damals, als die Schiffe noch unter Segeln und später mit Dampf in den Kesseln fuhren, war China nicht nur ein Ziel auf der Karte. China war das Abenteuer. China war der Handel, der Wohlstand brachte, aber auch die Ferne, die Sehnsucht und die Gefahr. Heiligenhafener Schiffe fuhren regelmäßig in den Fernen Osten. Sie brachten Tee, Seide und Porzellan zurück. Aber sie brachten nicht nur Waren, sondern auch Erfahrungen, spannende Geschichten und ein Stück weite Welt mit nach Hause.
Ein Zeitzeuge kommt an Land
Und es gibt ein Objekt, das diese Reisen mehr verkörpert als jedes andere: Die Seemannskiste von Kapitän Rudolf Maßmann. Seemannskisten wurden nach alter Tradition nach Heimkehr der Schiffe vom Hafen ins Haus des Seemannes (Kapitäns) gebracht.
Das wurde am Mittwoch nachvollzogen, als die historische Seemannskiste in Begleitung des Frauen-Shantychors „Schräge Deerns“ und Mitgliedern des Vereins „kreativ kaleidoskop“ vom Hafen zum Rathaus (ehemals Wohnhaus von Reeder Johann Peter Maßmann) gebracht und danach, zum Verbleib in das Heimatmuseum übergeben wurde.
Sie war der stille Begleiter auf den Ozeanen. Sie war das erste Stück Heimat, das den Hafen wieder sah, und das letzte, das ihn verließ. Diese Kiste ist kein bloßes Dekorationsstück. Sie ist ein Zeitzeuge. Sie hat die Stürme im Chinesischen Meer erlebt und die Flaute im Indischen Ozean. Sie steht für den Mut der Männer, die in See stachen, und die Hoffnung derer, die an der Pier warteten. Es ist das Symbol für den Kreislauf von Aufbruch und Heimkehr. Immer wenn diese Kiste wieder an Land gebracht wurde, war die Botschaft klar: „Wir sind zurück. Der Handel war erfolgreich. Die Verbindung steht.“
„Ein historisches Objekt, das so viele Reisen überlebt hat, das so viel Geschichte in sich trägt, gehört nicht in einen privaten Raum. Es gehört dorthin, wo Geschichte lebendig gehalten wird. Es gehört genau hierhin, ins Museum, denn ein Museum ist das Gedächtnis unserer Gesellschaft“, sagt Andreas Koepsell vom Verein „kreativ kaleidoskop“. „Das größte Glück ist allerdings, dass diese Kiste jetzt vereint wird mit einer geschichtsträchtigen Flagge, die sich gerade restauriert, auch hier im Museum befindet.“
Die Geschichte, die dahintersteht: Kapitän Rudolf Maßmann rettete im Jahr 1898 mit dem Dampfschiff „Ingraban“ sechs chinesische Hoheitsbeamte in einem schweren Orkan aus Seenot. Als Dank erhielt er eine spezielle seidene Flagge, die er auf seinem Schiff setzte. Sie schützte sein Schiff vor Piratenangriffen und erlaubte ihm freien Zugang in chinesische Häfen. Diese Flagge, wie auch die Seekiste, waren zuletzt im Besitz von Tilman Fritsch. Wie Fritsch berichtete, hat er sich als kleiner Junge an kalten Winternächten in die Flagge eingewickelt.
„Es ist höchst erfreulich, dass beide Teile bis heute erhalten blieben und nun im Heimatmuseum von Heiligenhafen zusammengeführt wurden. Mögen diese Zeugen längst vergangener Zeiten, nicht nur als Ausstellungsobjekt betrachtet werden, sondern als Botschafter einer Ära, in der die Welt noch weiter schien und die Rückkehr nach Hause das größte Glück war“, so Wulf Marcus Theophile.
Blick ins Familienalbum der Maßmanns
Zu alledem gibt es am Sonnabend (29. August) zur Kult(o)urnacht einen Rückblick auf den Stammbaum der Reeder- und Kapitänsfamilie Maßmann. In der Alten Schneiderei, im Thulboden 11, gleich neben dem Heimatmuseum, plaudert Wulf Marcus Theophile ab 20 Uhr aus dem Nähkästchen. Auch dieses Haus steht in Verbindung mit der Familie Maßmann. Dabei zeigt Wulf Marcus Theophile auch einen über fünf Meter langen Stammbaum und Fotos aus dem Familienalbum der Maßmanns.
Außerdem sind alte Stadtansichten zu sehen, die der ehemalige Küster der Stadtkirche von Heiligenhafen, Siegfried Hallmann, für die Nachwelt erhalten hat. Sie wurden von seiner Tochter Andrea zur Verfügung gestellt.