Krebshilfe bietet viel – zwei neue Selbsthilfegruppen

Ein starkes Netzwerk gegen den Krebs

29.04.2026, 11:34 Uhr
Von: Annika Loewe
der reporter Eutin/Malente

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Sibylle Latza (li.) schaute genau zu, als Heike Schulz (re.) Claudia Barenscheer schminkte.

Sibylle Latza (li.) schaute genau zu, als Heike Schulz (re.) Claudia Barenscheer schminkte. © Jabs

Eine moderne medizinische Therapie ist der wesentliche Faktor im Kampf gegen eine Krankheit, die das ganze Leben befällt. Kraft gegen den Krebs geben aber auch Sport, Gemeinschaft, erfüllte Stunden.

Genau hier setzen die Angebote des Vereins zur Hilfe Krebskranker Ostholstein an: „Im letzten Jahr hat sich ganz viel entwickelt“, berichtet Sozialarbeiterin Marion Paul, die die Kurse koordiniert. Bewegung ist ein Dauerbrenner – von Yoga über Wassergymnastik und Rudern bis zu Pilates und Qigong reicht das Spektrum. Und auch, was die Orte anbetrifft, wird das Netz immer engmaschiger. Die Krebshilfe ist in Malente, Eutin, Oldenburg, Lensahn und Heiligenhafen präsent. „Aktuell entwickeln wir neue Kreativ-Workshops, die sich fest etablieren sollen“, berichtet Marion Paul. Ein Beispiel ist der Trommelkurs, der mittwochs von 17 bis 18 Uhr im Musikraum der Grundschule am Kleinen See in Eutin läuft und noch einige freie Plätze hat. Einen gemeinsamen Rhythmus haben die Mitglieder der Eutiner Selbsthilfegruppe „Hoffnungsschimmer“ längst gefunden. Der Ansatz, die bleischwere Last der Krebs-Krankheit für Momente oder Stunden auf viele Schultern zu verteilen oder im Zusammensein mit anderen Erkrankten auch einmal ganz ablegen zu können, zu hoffen und Tipps auszutauschen, die Leben einfacher machen, zeigt verlässlich Wirkung. „Uns steht bald das zehnjährige Bestehen ins Haus“, sagt Leiterin Sibylle Latza nicht ohne Stolz. Der Zuspruch ist groß, in Malente ist eine neue Selbsthilfegruppe entstanden. „Raum für dich“ heißt sie und kommt an jedem dritten Donnerstag im Therapiezentrum zusammen. Auch in Lensahn hat sich eine Gruppe gegründet, Termin für den Austausch im „Ankerplatz“ ist der erste Donnerstag im Monat. Mit Anregungen und Vorschlägen kann man sich montags bis freitags von 7 bis 13 Uhr unter Telefon 04521-7873325 an Marion Paul wenden. Zu den festen Terminen kommen besondere Veranstaltungen. In der vergangenen Woche zeigte Visagistin Heike Schulz in einem exklusiven Schminkkurs, wie man die individuelle Schönheit mit gekonnten Pinselstrichen und farblichen Akzenten in Szene setzen kann – auch und gerade, wenn Krankheit oder Therapie Spuren hinterlassen. Dafür hatte Friseurmeisterin Nadine Schulz gern ihren Eutiner Salon kostenfrei am sonst geschlossenen Montag zur Verfügung gestellt, so dass die Frauen ganz unter sich sein konnten: „Man ist vernetzt als Frau und als die Nachfrage kam, habe ich natürlich Ja gesagt“, erzählte die Inhaberin, die mit Sohn Matti ein bisschen Mäuschen spielte. Die Nachfrage war groß und die Stimmung bestens. In zwei Runden demonstrierte Heike Schulz den effektiven Einsatz von Augenschattenstift und pflegender Grundierung und brachte mit passenden Farben Augen zum Strahlen: „Menschen, die in einer Krebs-Therapie stecken, haben häufig trockene und besonders empfindliche Haut, darauf muss man achten“, erklärte die Kosmetikerin. Im Vorfeld hatte sie bei den Teilnehmerinnen über einen Fragebogen Infos zu Hauttyp und Besonderheiten eingeholt und entsprechende Produkte ausgewählt. Das Wichtigste am „Aufhübschen“ war allerdings weniger die Frage „Was man so rausholen kann“, wie Heike Schulz augenzwinkernd formulierte, sondern die Freude der gemeinsam verbrachten Zeit: „Zusammen macht es einfach Spaß“, betonte Rena Menzel. Was ein gutes Makeup vermag, beschrieb Sibylle Latza so: „Man will nicht angesprochen werden auf das Äußere: Bist du krank?“. Dass Krebs das Aussehen verändert, bestätigten alle: „Man sieht anders aus“, meinte Rena Menzel unumwunden. So bringen die Hilfsmittel auch ein Stück Selbstbestimmung zurück: „Ich entscheide, wie ich mich zeige“, war der Tenor. Mit Tricks wie „Verblenden, verblenden!“ oder „Hyaluron ist immer gut“ kann das gelingen. Das nahmen die Frauen mit aus diesem Nachmittag. Und noch viel mehr, das Rena Menzel so in Worte fasste: „Wir leben – und das ist schön!“

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