Im Preetzer Museum erinnert die „Margarethenspende“ an frühe Krankenpflege

Ein Schrank, der Geschichte schrieb

24.05.2026, 10:38 Uhr
Von: Volker Graap
der reporter Plön/Preetz

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Axel Landfeldt (links) und Jürgen Paustian präsentieren den Margarethenschrank, der aus gebeiztem, mit Schellack behandeltem Nadelholz geschreinert wurde.

Axel Landfeldt (links) und Jürgen Paustian präsentieren den Margarethenschrank, der aus gebeiztem, mit Schellack behandeltem Nadelholz geschreinert wurde. © Volker Graap

Dieses unscheinbare Möbelstück ist etwas Besonderes: Im ersten Stock des Preetzer Heimatmuseums ist seit Neuestem ein Margarethenschrank ausgestellt, der gut 100 Jahre alt sein dürfte. „Diese Schränke wurden früher an öffentlich zugänglichen Orten aufgestellt, damit Bedürftige leichter an Pflegeartikel kamen“, berichtet Axel Landfeldt, Vorsitzender des Heimatvereins Preetz und Umgebung. Der Margarethenschrank enthielt alle wichtigen Dinge für die häusliche Krankenpflege, die man sich kostenlos ausleihen konnte. Das Preetzer Exemplar stand einst in der alten Schule in Rethwisch.

Als das Gebäude vor ungefähr 15 Jahren ausgeräumt wurde, fragte Heimatforscher Ingo Bubert bei Jürgen Paustian, dem Eigentümer des Schlosses Bredeneek, nach, ob der Schrank vorübergehend dort einen Platz finden könne. Jetzt hat Paustian das gute Stück ans Museum weitergereicht. Und leer ist der Schrank auch nicht: In den Regalen finden sich beispielhaft die Utensilien, die auch ursprünglich hineingehörten – darunter Wärmflaschen, Injektionsspritzen, Scheren, Bettpfannen, Schnabeltassen, Verbandsmaterial, Urinflaschen, Krücken und Medikamente wie Betäubungsmittel, Glaubersalz oder Kamillenöl. An der Frontseite gibt es außerdem einen Schlitz für Spenden.

„In der Entstehungsgeschichte dieses besonderen Schrankes drückt sich großes Leid aus“, erzählt Langfeldt. 1883 verlor der Bauer Johannes Adolf Jacobsen aus Saustrup bei Norderbrarup sein einziges Kind: Margarethe starb mit nur 23 Jahren an Tuberkulose. Auf dem Krankenbett bat sie ihren Vater, der sie lange zu Hause pflegte, nach ihrem Tod auch anderen Kranken zu helfen. „Nachdem 1886 auch noch seine Frau starb, reifte in Jacobsen der Plan zur Umsetzung des Wunsches der Tochter. Durch die Pflege der Familienangehörigen gab es im Hause diverse Pflegeartikel, die er öfter an Nachbarn auslieh. Und so befüllte er schließlich einen Schrank mit solchen Materialien und schenkte diesen am 32. Geburtstag seiner Tochter – am 27. Dezember 1893 – der Kirchengemeinde Norderbrarup“, erläutert Langfeldt.

Weil der Zuspruch der Bevölkerung unerwartet groß war, spendete Jacobsen 1894/95 in Angeln weitere sechs solcher voll ausgestatteten, von heimischen Tischlern hergestellten Schränke. Sie alle ziert eine Fotografie von Margarethe. Später wurde ein gemeinnütziger Verband gegründet, der diese Spendenidee auf eine breitere Basis stellte. Die sogenannten „Margarethenspenden“ standen häufig in Pastoraten und Schulen und wurden von Pastorenfrauen, Diakonissen oder Gemeindeschwestern betreut. Bis 1940 wurden insgesamt 758 Schränke aus Norderbrarup in ganz Schleswig-Holstein platziert, aber auch bis nach Württemberg und sogar Finnland und Schweden versandt.

„Vielleicht gibt es noch jemanden, der Näheres über dieses Exemplar aus Rethwisch weiß – etwa wie der Schrank hier herkam. Dann kann man sich gerne mit uns in Verbindung setzen“, hofft Axel Landfeldt auf weitere historische Details. Das Museum in der Mühlenstraße 14 ist sonnabends und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Auch Injektionsspritzen gehörten zur Ausstattung.

Auch Injektionsspritzen gehörten zur Ausstattung. © Volker Graap

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