Fielmann schenkt dem Künstlermuseum 75 Farbholzschnitte
Droeges Kunst kommt zurück nach Heikendorf
06.07.2026, 05:38 Uhr
PROBSTEER
Feierliche Übergabe der Kunstwerke im Museumsgarten (v.l.): Henning Repetzky (freier Mitarbeiter des KMH), Constanze Köster (Fielmann AG), Peter Schumann, Marcus Schumann, Ulrich Steffen (Geschäftsführer Heinrich-Blunck-Stiftung), Heiko Buhr, Marcel Kühnemann-Röde (Leiter Fielmann-Filiale Kiel-Wellingdorf), Sabine Behrens (Museumsleiterin). © KMH/hfr
Mit der Schenkung von 75 Farbholzschnitten Oscar Droeges erhält das Künstlermuseum einen bedeutenden Zuwachs für seine Sammlung. Möglich wurde dies durch den Ankauf der Werke durch die Fielmann AG, die das Konvolut dem Museum schenkte. Der Erwerb der Sammlung ist das Ergebnis eines über Jahre gewachsenen Kontakts.
Ausgangspunkt war die Freundschaft von Peter Schumann mit Walter Ruckes, der eine umfangreiche Sammlung von Farbholzschnitten Oscar Droeges geerbt hatte. Als Peter Schumann und sein Sohn Marcus das Künstlermuseum Heikendorf besuchten, wurde ihnen die besondere Bedeutung dieser Werke deutlich. „Der Aha-Effekt kam erst, als ich mit meinem Vater hierher nach Heikendorf kam und Droege gesehen habe. Dann ist mir erst klar geworden, was es mit den Droege-Werken von Herrn Ruckes auf sich hatte“, erinnert sich Marcus Schumann.
In den folgenden Jahren setzten sich Peter und Marcus Schumann, unterstützt von Heiko Buhr, dafür ein, die Sammlung dem Künstlermuseum zugänglich zu machen. Um einen Überblick über das umfangreiche Konvolut zu ermöglichen, dokumentierte Peter Schumann, ein ehemaliger Kameramann, sämtliche Farbholzschnitte in einem Fotobuch. Auf dieser Grundlage konnte das Museum diejenigen Werke auswählen, die den vorhandenen Bestand sinnvoll ergänzen. Neben den Farbholzschnitten umfasst die Schenkung auch Kopien des Briefwechsels zwischen Oscar Droege und dem ursprünglichen Sammler. Dies sind wertvolle Dokumente für die zukünftige Forschung.
Oscar Droege (1898–1983) zählt zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten der Künstlerkolonie Heikendorf. 1929 zog er zu seinem Bruder nach Kitzeberg, der dort eine Gärtnerei besaß. Droege freundete sich bald mit dem zehn Jahre älteren Werner Lange (1888-1955) an, der seit Mitte der 1930er Jahre das kleine Blockhaus auf dem Grundstück der Familie Fehring in Kitzeberg bewohnte. Gemeinsam unternahmen beide Künstler in den kommenden Jahren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs weite Studienreisen mit dem Fahrrad. Außerdem machten sie ausgedehnte Reisen mit dem Segelboot über Ostsee und Nordsee. Droege entwickelte den Farbholzschnitt zu seinem Markenzeichen und schuf mit rund 440 bekannten Motiven eines der bedeutendsten Werke des deutschen Farbholzschnitts des 20. Jahrhunderts. 1962 zog Droege nach Hamburg, wo er ein Haus geerbt hatte. Seine Arbeiten sind eng mit der Landschaft der Kieler Förde verbunden. Küsten, Strände, Buhnen, Fischkutter, Hafenanlagen sowie die charakteristischen Bäume und Weiten der Region bilden die zentralen Motive seines Schaffens. Mit seiner unverwechselbaren Bildsprache hielt Droege die Natur und den maritimen Charakter der Fördelandschaft rund um Heikendorf dauerhaft künstlerisch fest. Auch Motive von seinen Reisen und finden Eingang in sein Werk. Von Heikendorf aus gelangten seine Farbholzschnitte über ein weit gespanntes Netz von Galerien und Kunsthändlern ins europäische Ausland und bis nach Südafrika. Für das Künstlermuseum Heikendorf besitzt die Schenkung deshalb eine besondere Bedeutung. Das Museum bewahrt seit vielen Jahren das künstlerische Erbe Oscar Droeges und präsentiert seine Werke in der Dauerausstellung zur Künstlerkolonie Heikendorf im seinem Atelierhaus. „Wir sind die Anlaufstelle für Droege, wenn man Droege im Netz sucht“, betont Museumsleiterin Sabine Behrens. Die wissenschaftliche Erschließung seines Werks wird kontinuierlich weitergeführt. Nach dem Ausstellungskatalog zur großen Einzelausstellung im Jahr 2010 entsteht derzeit ein digitales Werkverzeichnis, das Oscar Droeges Gesamtwerk künftig weltweit zugänglich machen soll.
Gemeinsam mit Studenten und einem daraus hervorgegangenen Start-up wird hierfür ein webbasiertes Front-End entwickelt. Ein Teil der Finanzierung konnte bereits eingeworben werden; weitere Spenden helfen dabei, dieses für die kunsthistorische Forschung bedeutende Projekt zu verwirklichen. Mit der Schenkung der Fielmann AG wird die Droege-Sammlung des Künstlermuseums auf rund 200 verschiedene Motive erweitert. Dies stärkt das Museum in seiner Aufgabe, das Erbe der Künstlerkolonie Heikendorf zu bewahren, wissenschaftlich zu erforschen und zugänglich zu machen.
Constanze Köster (Fielmann AG) und Marcel Kühnemann-Röde (Leiter der Fielmann-Filiale Kiel-Wellingdorf) betrachten gemeinsam das Fotobuch von Peter Schumann. © KMH/hfr