„Niemand sollte in Einsamkeit sterben“

Drei Sterbebegleitende der Hospizinitiative berichten von ihrer Arbeit

07.07.2026, 15:19 Uhr
Von: Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente

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Die Koordinatorinnen Anette Müller, Astrid Heide und Nicole Friedrichsen (hinten v. re.) stellen den Kontakt zu den ehrenamtlichen Sterbebgleitung wie Monika Zangenberg, Armin Penner und Alena
Herlitz (vorne v. re.) her.

Die Koordinatorinnen Anette Müller, Astrid Heide und Nicole Friedrichsen (hinten v. re.) stellen den Kontakt zu den ehrenamtlichen Sterbebgleitung wie Monika Zangenberg, Armin Penner und Alena Herlitz (vorne v. re.) her. © Astrid Jabs

An einem Sterbebett zu sitzen, Angst und Wut auszuhalten, letzte Geschichten zu hören, Raum zu geben für Lachen und Weinen und einen Menschen spüren zu lassen: „Du bist nicht allein!“ ist eine große Aufgabe, die sich im Stillen vollzieht. 80 Ehrenamtliche der Eutiner Hospizinitiative übernehmen diese Verantwortung, kommen auf die Palliativstation oder ins Zuhause der Sterbenden und leisten den letzten Dienst. Drei von ihnen haben dem reporter von ihren Erfahrungen und ihrer Motivation berichtet.

Armin Penner aus Majenfelde erinnert sich gut an das Ereignis, das seinen Blick auf Sterben und Tod veränderte: „Ein Freund lag im Sterben und ich habe ihn besucht“, erzählt er von dem eindrücklichen Erlebnis. Seine Betroffenheit wandelte sich bald in Interesse. Damit war er richtig beim Befähigungskurs zum Sterbebegleiter der Hospizinitiative: „Ist das etwa für Dich?“, fragten Frau und Mutter skeptisch. Sie waren nicht die einzigen, die in dem ehemaligen Ortswehrführer diese neue Seite zunächst nicht erkennen konnten. Penner selbst aber war sich sicher: „Ich kann mich nur beglückwünschen, dass ich die Entscheidung getroffen habe“, sagt er heute. Den engen Kontakt mit den Sterbenden und ihren Angehörigen empfindet er als Bereicherung: „Es gibt mir so viel Kraft“, erklärt er. Einer Sterbenden die Hand zu wärmen, ist viel mehr als eine kleine Geste, so hat er es erlebt: „Sie taute regelrecht auf“, schildert Penner und weiß: „Eine solche Begegnung eröffnet Sterbenden die Chance, sich zu öffnen.“

Die besondere Nähe erfordert Professionalität und Verschwiegenheit. Beides bringen alle Sterbegleiter*innen nach ihrer gründlichen Ausbildung mit. Wenn Betroffene Kontakt zur Hospizinitiative aufnehmen und nach Begleitung fragen, vermitteln die Koordinatorinnen der Geschäftsstelle einen Kontakt: „Wir kennen unsere Ehrenamtlichen gut, das ist wichtig, denn es geht ja nicht darum, wer Zeit hat, es muss auch passen“, legt Anette Müller dar. Die Verschiedenheit der Ehrenamtlichen sei ein großer Schatz, unterstreicht sie.

Die Gruppe setzt sich aus Menschen im Alter zwischen 30 und 80 Jahren zusammen, Alena Herlitz gehört zu den Jüngsten. Seit März 2024 ist die gebürtige Eutinerin als Sterbegleiterin aktiv. Die Hospizinitiative war immer bekannt: „Man liest davon in der Zeitung, außerdem war Brigitte Maas unsere Hausärztin“, sagt Herlitz. Als ihr Großvater auf der Palliativstation lag, meldete sich ein Familienmitglied zu einem Letzte-Hilfe-Kurs an. „Da war ich dabei“, erzählt sie. Das gab den Ausschlag, auch den Befähigungskurs zu absolvieren. Seitdem hat sie verschiedene Begleitungen gestaltet, war bei Sterbenden in der Häuslichkeit, im Krankenhaus oder hat Spaziergänge unternommen. Meistens ergibt sich die Verbindung über die Sprache. „Viele Sterbende wollen ihre Familien schützen und reden nicht über das, was sie bewegt. Dafür sind wir dann da“, erläutert die Sterbebegleiterin. Der Mut, den sterbenden Menschen Fragen zu stellen und ihre Antworten auszuhalten, ist für sie wesentlich. Ihr junges Alter kann ein Thema sein: „Wenn ich das merke, spreche ich es selbst direkt an, das kann auch ein Türöffner sein“, meint Alena Herlitz. Nach ihrer Wahrnehmung steht mit ihrem Interesse und ihrer Offenheit, sich mit dem Sterben und dem Tod auseinanderzusetzen, in ihrer Altersgruppe eher allein: „Ich habe das Gefühl, jüngere Menschen wollen sich damit nicht beschäftigen“, sagt sie. Wer aber entsprechende Erfahrungen gemacht hat, zolle ihr Anerkennung: „Ich höre dann häufig: Toll, dass du das machst.“

Der Wunsch, endlich wieder mit Menschen zu arbeiten, brachte Monika Zangenberg aus Bosau vor drei Jahren zur Sterbebegleitung. Die Sozialpädagogin mit dem Fachgebiet Erwachsenenbildung war viele Jahre im Qualitätsmanagement tätig. Was ein Hospiz bewirken kann, hat sie in Essen als Betroffene erlebt: Ihre Mutter wurde dort betreut. Selbstwirksamkeit ist für sie ein Schlüsselbegriff: „Ich kann bewusst etwas dafür tun, dass Menschen nicht in Einsamkeit sterben!“ In der letzten Phase da zu sein, Verbindung mit den Menschen aufzunehmen, koste auch viel Kraft: „Aber es ist eine ganz wertvolle Zeit“, hebt Zangenberg hervor.

Von großer Bedeutung ist dabei die Gemeinschaft innerhalb der Hospizinitiative: „Das tut gut, genau wie die Fortbildungen, auf denen man immer Gleichgesinnte trifft“, da sind sich die drei Sterbebegleitenden einig.

Bleibt die Frage, ob und wie sich ihr Blick auf das Sterben verändert hat. „Meine Sicht erweitert sich mit jeder Begleitung“, sagt Armin Penner. Er habe Vorstellungen gehabt, gemischt mit Wunschdenken, nun sei er klüger. Monika Zangenberg ergänzt für sich: „Ich habe da ein bisschen mehr Gelassenheit gewonnen.“ Und Alena Herlitz kann für sich besser mit dem Thema umgehen: „Und ich bin dankbarer für das Leben!“

Frühzeitig melden!

Anette Müller empfiehlt Menschen und ihren Angehörigen, sich frühzeitig zu melden, wenn eine lebensbegrenzende Situation eintritt. „Bei der Sterbebegleitung geht es auch darum, den Menschen lebenswerte Zeit zu geben“, erklärt die Koordinatorin. Es ist kein Prozess, der zwischen Tür und Angel abläuft, sondern geschenkte Zeit: „Ich bin da und ich bleibe“, lautet eine wichtige Botschaft. Kleine Wünsche zu erfüllen, Unternehmungen zu ermöglichen oder Ruhe und Schweigen zu teilen – all das ist Sterbebegleitung. „Aber natürlich kann man sich auch direkt an uns wenden und auch wenn eine unvorhersehbare Situation eintritt, wir können auch dann schnell helfen“, so Müller. Getreu dem Leitsatz der Hospizinitiative: „Niemand soll allein gelassen sein in der letzten – vielleicht schweren – Phase des Lebens, es sei denn, man wünscht es.“

Befähigungskurs Sterbebegleitung

Wer Interesse an dem Thema hat und sich vorstellen kann, Sterbebegleiter oder -begleiterin zu werden, erfährt Details darüber bei den Koordinatorinnen im Büro der Hospizinitiative in der Albert-Mahlstedt-Str. 20 oder unter Telefon 04521-790776. Ein Einsatz ist dann individuell oder auf der Palliativstation des Sankt-Elisabethkrankenhauses möglich.

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