Einwohner in Schönwalde ärgern sich über nicht barrierefreien Fußweg
Diese Umleitung ist „eine Katastrophe“
20.07.2026, 14:16 Uhr
Von:
Volker Graap
der reporter Eutin/Malente
Die Ortsdurchfahrt Schönwalde ist auf lange Sicht Baustelle. Während der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV.SH) die Fahrbahn saniert, nutzt die Gemeinde die Arbeiten gleichzeitig, um unter anderem den Regenwasserkanal samt Hausanschlüssen sowie Teile der Gehwege zu erneuern. Dauer: bis November 2027. Bürger und Geschäftsleute ächzen unter den Beeinträchtigungen. Auf besonders heftige Kritik stößt aktuell die Umleitung für Fußgänger und Radfahrer, die seit dem 6. Juli im Kreuzungsbereich L 57 und Milchstraße gilt: Sie führt über eine steile, nicht barrierefreie Treppenanlage. „Das ist schon der Gipfel und geht gar nicht“, ärgert sich Anwohner Holmer Hahn.
Er wohnt zwar am anderen Ende des Ortes, muss jedoch – wie die meisten Schönwalder – regelmäßig den Bereich passieren, um den Edeka-Markt, Arzt und Apotheke zu erreichen. Mit dem Auto ist es ein kilometerlanger Umweg. Die Wegführung für Fußgänger und Radler ist eine echte Zumutung: „Diese Treppe ist nicht ungefährlich, gerade bei Nässe. Die Handläufe aus Holz entsprechen nicht der vorgeschriebenen Norm. Sie sind viel zu breit und zudem noch schadhaft. Man kann sich durch Nägel oder Holzsplitter verletzen“, meint Hahn beim Ortstermin. Ein vorbeischiebender, kurzatmiger Radfahrer flucht nur: „Eine Katastrophe!“ Es ist anstrengend, diese Treppe im Wohngebiet „Am Schönberg“ zu benutzen. Schier unmöglich ist es aber für Menschen mit Beeinträchtigung im Rollstuhl oder mit Rollator. Auch für Eltern mit Kinderwagen oder Fahrradanhänger wird diese Umleitung zum Problem. „Dass dann hier auch noch Schilder mit dem Hinweis ,Benutzung auf eigene Gefahr! Der Bürgermeister’ stehen, ist ein Hohn“, ärgert sich Holmer Hahn. Hinzu komme, dass am Ende der Treppe eine völlig unklare Situation für die Passanten hinsichtlich der Straßenquerung bestehe.
„Man hätte andere Möglichkeiten für diese Umleitung finden müssen und können. Eine Aufschüttung am Seitenstreifen neben der Fahrbahn zum Beispiel hätte den Weg zum Versorgungszentrum erheblich erleichtert“, ist sich der Schönwalder sicher. „Oder auch der auf der anderen Straßenseite verlaufende Fußweg: Dort hätte man bestimmt eine provisorische Lösung hinbekommen – stattdessen stellt die Baufirma hier ihre Maschinen ab“, zeigt Hahn eine weitere Alternative auf.
Bürgermeister Schöning nimmt Stellung
Sind Änderungen geplant? Immerhin dauern die Arbeiten an diesem Teilabschnitt noch bis zum 14. August. Was sagt der Schönwalder Bürgermeister dazu? Olaf Schöning betont: „Ziel der Gemeinde war es, vor Beginn beziehungsweise parallel zur Baumaßnahme einen neuen Gehweg entlang des Baufeldes herzustellen, um eine möglichst komfortable und sichere Führung für Fußgänger zu gewährleisten.“ Die hierfür erforderliche Genehmigung durch das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur liege bislang jedoch noch nicht vor. „Ohne diese Genehmigung darf die Gemeinde mit den entsprechenden Bauarbeiten nicht beginnen. Sobald diese vorliegt, starten wir mit dem Bau des Gehwegs“, kündigt Schöning an.
Er sagt auch, dass man den Zustand der Treppenanlage vor Einrichtung der Umleitung überprüft hat und verschiedene Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt wurden. „Der Gemeinde ist bewusst, dass die Nutzung insbesondere des seitlich verlaufenden Weges und der Treppe für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nur eingeschränkt möglich ist. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und fehlender alternativer Wegeführungen lässt sich diese Situation derzeit leider nicht vollständig vermeiden“, so Schöning.
Auch Unterstützung für Betroffene gebe es: „Über unser eigens eingerichtetes Kommunikationsbüro und verschiedene Kommunikationskanäle versuchen wir, nachbarschaftliche Hilfe zu organisieren. Tatsächlich geschieht dies auch in Teilen“, teilt der Bürgermeister mit. „Die Gemeinde hat daher alle ihr möglichen Maßnahmen ergriffen, um die Baumaßnahme möglichst verträglich und so schnell wie möglich umzusetzen. Eine zeitliche Verlegung wäre zu Lasten der jüngsten Verkehrsteilnehmenden gegangen: der Schulkinder auf dem Weg zur oder von der Schule. Das wollten wir unbedingt verhindern. Die langfristigen Verbesserungen der Infrastruktur und Verkehrssicherheit kommen nach Abschluss der Arbeiten allen Nutzern zugute.“
Hier gibt es Kontakt zu den Verantwortlichen
Der LBV.SH veröffentlich regelmäßig Infos zu den Bauarbeiten auf der Website www.ortsdurchfahrt-schoenwalde.de und bei Instagram (@ortsdurchfahrtschoenwalde). Eine Baustellen-Hotline ist unter Telefon 0177-4139864 zu erreichen.