Die Schönberger Seebrücke – ein Rückblick
14.07.2026, 15:33 Uhr
Von:
Volker Graap
der reporter Plön/Preetz,
PROBSTEER
Sie ragt hinaus, als wolle sie das Land mit dem Horizont verbinden: Schritt für Schritt führt die Schönberger Seebrücke hinaus aufs Wasser – dorthin, wo Wind, Wellen und Weite den Takt bestimmen. Wer das 260 Meter lange Bauwerk abschreitet, lässt sich gerne die salzige Seeluft um die Nase wehen. Denn der Blick aufs Meer oder zurück auf das Geschehen am Strand ist jeden Schritt wert. Übrigens: Die heutige Seebrücke hat eine Vorgeschichte.
Schönberg – Denn schon in der Kaiserzeit war das Ostseebad ein Touristenmagnet. 1910 hatte Schönberg 1.558 Einwohner, aber viel mehr Kurgäste: Man zählte 2.000 Urlauber und 7.000 Passanten, wie man die Tagesgäste damals nannte. In dieser ökonomischen Aufbruchstimmung entschlossen sich zwei Hotelbesitzer aus Schönberger Strand, in die Offensive zu gehen und für 30.000 Reichsmark eine Seebrücke zu bauen. Das 304 Meter lange Bauwerk aus Holz wurde am 23. Juli 1912 eröffnet und bot eine regelmäßige Dampferverbindung nach Kiel an. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs war es mit der Brückenherrlichkeit vorbei: Weil man befürchtete, die Engländer könnten die Seebrücke zur Landung nutzen, zerstörte das deutsche Militär die Seebrücke bereits am 3. August 1914 durch Feuer und Dynamit.
1925 und 1970 scheiterten zwei Anläufe, eine neue Seebrücke zu realisieren. Als die Landesregierung in den 1990er-Jahren dann das 1. Regionalprogramm auflegte, griff die Gemeinde das Projekt sofort wieder auf. „Die Umsetzung unserer Idee war aber ein zähes Unterfangen“, erinnert sich der damalige Bürgermeister Wilfried Zurstraßen. „Unser erster 1995 gestellter Antrag wurde gnadenlos abgelehnt. Normalerweise wäre das schon das Aus gewesen, aber wir haben an allen Fronten für das Vorhaben geworben und weiter nach Geldgebern gesucht“, berichtet er. Der Durchbruch gelang schließlich dadurch, dass man die Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel mit an Bord holte. Die MS Heikendorf sollte Kiel und Schönberger Strand verbinden. „Damals gab es noch Zweifel, dass das Fahrgastschiff tatsächlich vor Ort anlegen könnte. Die Bedenken konnte ein Versuch zerstreuen: In einer öffentlichen Veranstaltung haben wir die Seebrücke mit Bojen simuliert und das Schiff dort quasi anlegen lassen“, so Zurstraßen. Das habe funktioniert und auch die letzten Kritiker verstummen lassen. Die Gemeindevertretung befürwortete das Projekt daraufhin einstimmig. Für das drei Millionen Mark teure Vorhaben konnten zwei Millionen Mark an Zuschüssen eingeworben werden.
Eröffnungsfeier liefert Idee für jährliches Seebrückenfest
Zurstraßen: „Die Idee für ein dauerhaftes Seebrückenfest entstand erst nach der Eröffnungsfeier am 30. Juni und 1. Juli 2001. Zu der Veranstaltung, die der damalige Kulturamtsleiter Rainer Runge federführend organisiert hatte, kamen 25.000 Menschen. Da haben wir gesagt: Das machen wir jetzt jedes Jahr!“ Der anhaltende Erfolg des Events und der Seebrücke, an der nach einer Durststrecke heute auch wieder ein Ausflugsschiff anlegt, bestätigt die Weitsicht, die die Brücken-Väter an den Tag gelegt haben. Rainer Runge hat übrigens sein Talent als Maler immer wieder unter Beweis gestellt, wenn es darum ging, die Brücke für Plakate in Szene zu setzen. Das aktuelle Motiv für das Jubiläumsposter hat einmal mehr Runge gestaltet. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, lobt Zurstraßen die Illustration. Der Alt-Bürgermeister findet es großartig, „die Botschaft, wie toll die Seebrücke ist, auf diese Weise in die Welt zu tragen“. Die Seebrücke sollte von Anfang an Flaniermeile, Schiffsanleger und Erlebnisbauwerk sein. Heute ist sie Herzstück von Schönberger Strand.
Seebrückenfest zum 25. Jubiläum
Vom 17. bis zum 19. Juli steht die Touristenattraktion in Schönberger Strand wieder im Mittelpunkt alljährlicher Feierlichkeiten: Das beliebte „Seebrückenfest“ steht diesmal ganz im Zeichen des 25. Jubiläums der Flaniermeile - wir berichteten.