Ärztin Heike Köller-Viethen visiert die Rente an – 26. Juni ist letzter Praxistag
Die letzte Spende geht ans Tierheim
28.05.2026, 11:11 Uhr
Von:
Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente
Eutin - Ihre Patient*innen kennen die Sammeldose im Sprechzimmer schon: Immer wieder hat die Allgemeinmedizinerin Heike Köller-Viethen in den zurückliegenden Jahren für gute Zwecke gesammelt. Das Malenter Wildgehege, der Weisse Ring, die Igelhilfe haben Spenden erhalten: „Der regionale Bezug ist dabei mir wichtig“, sagt die Eutiner Ärztin. 190,64 Euro sind diesmal zusammengekommen, eine Summe, über die man sich im Eutiner Tierheim angesichts hoher Kosten sehr freut.
Ein Hauch Wehmut schwingt mit, als Köller-Viethen von der Übergabe berichtet, denn dies ist nicht das einzige Thema des Gesprächs. Die Rente ist in Sichtweite, Ende Juni wird sie ihre Praxis in der Plöner Straße 62 schließen: „Nach 34-ein Viertel Jahren ist Schluss, letzter Tag ist der 26. Juni“, rechnet die Medizinerin vor. Am 1. April 1992 hat sie sich mit eigener Praxis niedergelassen, ihre erste Adresse war die Plöner Straße 21, ehe sie 2001 ein paar Hausnummern weiter an den jetzigen Standort zog. Es ist ein tiefer Einschnitt, was wenig verwundert angesichts der Arbeit, die immer mehr als ein Job war.
Viele ihrer Patient*innen kennt sie seit langer Zeit: „Ich durfte die Menschen begleiten, manche von Anfang an, dafür bin ich sehr dankbar“, betont die gebürtige Bremerin. Das Ende ihrer beruflichen Laufbahn münzt sie in einen Neustart um: „Ich bin zum Wintersemester für das Fach Kunstgeschichte an der Kieler Uni eingeschrieben“, verrät sie. Damit ist nicht nur das lauernde „tiefe Loch“ nach dem Schluss des Arbeitslebens umschifft, sie verwirklicht auch einen Wunsch, den sie schon als Schülerin hatte. Damals rangierte „etwas mit Kunst“ gleich hinter der Ausbildung zur Tischlerin. Beides war nicht so recht nach dem Geschmack des Vaters, dem für die Tochter mit dem Einser-Abi „etwas Anständiges“ vorschwebte. „Ist Ärztin anständig genug?“, wollte sie wissen und so begann der Weg in einen erfüllenden und erfüllten Beruf. 1986 machte sie ihr letztes Examen, bekam drei Kinder, die „in der Praxis“ großwurden. Wichtig war es ihr, Wege aufzuzeigen, mit den Menschen in Kontakt zu sein und mit ihnen zu sprechen in einer Sprache, die alle verstehen. Klartext auf allen Ebenen also, gepaart mit Pragmatismus und Expertise – das wussten ihre Patient*innen zu schätzen und das werden sie vermissen. Nach einer Nachfolge für die Praxis hat Heike Köller-Viethen vergeblich gesucht: „Leider hat sich niemand gefunden, ich habe mich wirklich bemüht“, bedauert sie.
Eutin wird ihr Lebensmittelpunkt bleiben. Neben dem Studium der Kunstgeschichte wird sie sich von hier aus künftig Zeit nehmen für alles, was ihr Spaß macht. Dazu gehören unter anderem Paddeln-Touren, im Kajak oder auf dem SUP-Board - „Sitzend!“, wie sie mit Augenzwinkern klarstellt. Langeweile, das ist mal sicher, steht nicht auf ihrem Zukunftsplan.