Die Hitzeschlacht von Sieversdorf: Feuerwehr beweist Stärke, Präzision und Herz
19.07.2026, 06:05 Uhr
der reporter Eutin/Malente
Die Freiwillige Feuerwehr Sieversdorf hat am 27. Juni unter der Führung von Ortswehrführer Michael Müller eine außergewöhnliche Belastungsprobe gemeistert. Bei glühenden 34 Grad traten 30 Aktive Kameradinnen und Kameraden, sieben Ehrenmitglieder und elf Jugendliche zur Leistungsprüfung „Roter Hahn“ Stufe 3 an – ein Tag, der nicht nur die Einsatzfähigkeit der Wehr unter Beweis stellte, sondern auch eindrucksvoll zeigte, was Zusammenhalt und Engagement bedeuten.
Schon früh war klar: Diese Prüfung würde als die „Hitzeschlacht von Sieversdorf“ in die Chronik eingehen. Ab 8.30 Uhr füllte sich der Hof des Feuerwehrhauses mit Uniformen, Ausrüstung und gespannter Erwartung. Die Bewertungskommission traf ein, Besucher eilten herbei, und um Punkt 10 Uhr trat die Wehr an – ein beeindruckendes Bild aus geordneten Reihen, konzentrierten Blicken und sichtbarer Entschlossenheit. Die Tagesordnung war straff und anspruchsvoll. Sie umfasste Formaldienst, Fahrzeug und Geräteschau, Prüfungsfragen, Stiche und Knoten, die Sicherheitsbelehrung, einen Löschangriff durch die Jugendfeuerwehr, die Beurteilung des Geräthauses und der persönlichen Einsatzschutzkleidung, die Technische Hilfe und eine Brandlage mit Personenrettung. Besonders die erst Anfang des Jahres neu gegründete Sieversdorfer Jugendfeuerwehr sorgte für strahlende Gesichter: Mit einer eigenen Vorführung, einem Löschangriff, zeigten die Nachwuchskräfte, dass die Zukunft der Wehr gesichert ist, und wurden mit einem großen Applaus belohnt.
Nun folgte eine Technische Hilfeleistung durch die aktive Einsatzabteilung: „Schwerer Verkehrsunfall an der Kreuzung am Gerätehaus“, lautete das Stichwort. Das erste Szenario simulierte also einen schweren Verkehrsunfall. Die Meldung über die Leitstelle lautete wie folgt: Ein PKW war frontal gegen ein massives Hindernis geprallt, der Fahrer bewusstlos, Airbags ausgelöst, leichter Rauch Flüssigkeitsaustritt aus dem Motorraum. Die Aufgaben der Feuerwehr umfassten hierbei die Absicherung der Unfallstelle, die Stabilisierung des Fahrzeugs, das Sicherstellen des Brandschutzes und das Schaffen eines Zuganges schaffen sowie die Rettung der Person.
Ein Rettungswagen (RTW), ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) und die Polizei waren (theoretisch) mitalarmiert – ein realistisches Szenario, das eindrucksvoll zeigte, wie professionell die Feuerwehr Sieversdorf bei einem solchen Einsatz agiert.
Das nächste Übungsszenario verlangte den Kameradinnen und Kameraden alles ab. Ein Einfamilienhaus – Erdgeschoss und Treppenhaus vollständig verqualmt, eine Person im ersten Obergeschoss am Fenster – stellte eine komplexe Lage dar. Die massive Bauweise, die integrierte Garage und der angrenzende Doppelcarport aus Holz erhöhten die Herausforderung. Unter extremen Temperaturen mussten die Einsatzkräfte die Lageerkundung durchführen, die Menschenrettung sicherstellen und die Brandbekämpfung einleiten. Ein Szenario, das den Puls steigen ließ und dennoch souverän gemeistert wurde. Hier durfte aufgrund der äußeren Bedingung ausnahmsweise die dicke Einsatzschutzjacke für das Übungsgeschehen ausgezogen werden, dieses ordnete die Bewertungskommission und der Gemeindewehrführer an.
Nach Stunden voller Schweiß, Konzentration und beeindruckender Leistungen, die bei der Hitze zu einer außergewöhnlichen Belastungsprobe wurden, trat die Wehr zum Schluss erneut an. Die Prüfungskommission lobte die hohe Professionalität, die Disziplin und den Teamgeist der Feuerwehr Sieversdorf. Trotz der extremen Hitze wurden alle Aufgaben souverän gemeistert und die Dorfschaft konnte sich ein Bild über das Können der Feuerwehr verschaffen, welcher immer wieder mit Applaus belohnt wurde.
Bürgermeister Heiko Godow, selbst sichtlich beeindruckt, gratulierte Müller und seinen Kameradinnen und Kameraden für diese großartige Leistung. Er überreichte der Wehr als herzliche Geste nach der erfolgreich bestandenen Prüfung – drei kühle Fässer Bier für die „sofortige Flüssigkeitsaufnahme“. Ein Lachen ging durch die Reihen, die Stimmung lockerte sich, und die Kameradinnen und Kameraden konnten nach der Hitzeschlacht endlich durchatmen.
Ortswehrführer Michael Müller bedankte sich bei allen, die dazu beigetragen haben, dass dieser Tag so erfolgreich verlief. Die Leistungsprüfung „Roter Hahn“ Stufe 3 war ein weiterer Beweis dafür, dass die Freiwillige Feuerwehr Sieversdorf nicht nur technisch hervorragend ausgebildet ist, sondern auch menschlich und gemeinschaftlich stark aufgestellt ist. Ein Tag voller Hitze, Einsatz, Präzision – und ein Tag, der zeigt, wie wichtig diese Wehr und das Ehrenamt für die Gemeinde ist.