Klassentreffen zwanzig Jahre später
Die Götter sind zurück
03.09.2026, 07:48 Uhr
Von:
Annika Loewe
der reporter Eutin/Malente
Damals wollten sie hoch hinaus. „Abilymp – die Götter gehen“ stand auf den Abi-Shirts, als der Jahrgang 2006 die Carl-Maria-von-Weber-Schule in Eutin verließ. Zwanzig Jahre später sind sie zurückgekehrt – nicht als Götter, sondern als Menschen mit Familien, Berufen, Umzügen und ganz unterschiedlichen Lebenswegen. Und doch war vieles sofort wieder da: das vertraute Lachen, alte Sprüche und dieses Gefühl, irgendwie zusammenzugehören.
Am Samstag, 22. August, traf sich der Abi-Jahrgang zum 20-jährigen Jubiläum. Eingeladen waren nicht nur diejenigen, die 2006 ihr Abitur abgelegt hatten, sondern auch ehemalige Mitschülerinnen und Mitschüler, die den Jahrgang vorzeitig verlassen hatten. Manche waren aus anderen Bundesländern angereist, andere wohnen noch heute in Schleswig-Holstein, einige sogar in Eutin. Drei ehemalige Mitschülerinnen und Mitschüler leben inzwischen sogar in derselben Straße.
Gleich zwei Ehepaare haben in diesem Jahrgang zueinandergefunden – ein Beweis dafür, wie eng Schule und Leben manchmal miteinander verbunden bleiben.
Zurück an den alten Schulort
Zum Auftakt ging es dorthin zurück, wo für viele eine prägende Zeit begonnen hatte und schließlich mit dem Abitur endete: in die Weber-Schule. Herr Petzold, der an der Schule unter anderem für die Belange ehemaliger Schülerinnen und Schüler zuständig ist, führte die Gruppe durch die Gebäude.
Das Atrium gab es damals noch nicht, ebenso einige der heutigen Klassenräume. An anderen Stellen schien die Zeit dagegen beinahe stehen geblieben zu sein. Räume, Flure und Ecken reichten aus, um Erinnerungen zurückzuholen, die längst irgendwo im Gedächtnis abgelegt schienen.
Kaum betraten die Ehemaligen ihre alten Räume, wurde erzählt, gelacht und verglichen: Wie sah das hier damals aus? Wer saß eigentlich wo? Was ist aus diesem Raum geworden? Und welche Geschichten hängen eigentlich noch immer daran?
Die Führung wurde dabei schnell sehr gesellig, sodass Herr Petzold so manches Mal gegen den Geräuschpegel anreden musste. Den Trubel nahm er jedoch mit Humor: Von Schülerinnen und Schülern kenne er das schließlich – bei einem Ehemaligentreffen sei es nicht viel anders.
So wurde aus dem Schulbesuch eine kleine Zeitreise, und aus ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern innerhalb kürzester Zeit wieder eine vertraute Gruppe.
„Es war so schön, euch zu sehen und über alte und neue Zeiten zu sprechen“, sagte Kim Kröger nach dem Treffen.
20 Jahre zwischen damals und heute
Was in diesen Gesprächen immer wieder sichtbar wurde: Zwischen dem letzten Schultag 2006 und dem Wiedersehen 2026 liegt ein halbes Leben. Menschen sind umgezogen, haben Familien gegründet, Berufe ergriffen, sich verändert, sind geblieben oder weit weggezogen. Einige haben sich regelmäßig gesehen, andere seit dem Abitur kaum noch oder nie wieder.
Organisiert wurde das Treffen vor allem über eine WhatsApp-Gruppe. Dort wurden neben der Planung bereits im Vorfeld Erinnerungen und Fotos ausgetauscht. So war das Wiedersehen längst vorbereitet – und trotzdem offenbar ganz anders, als man es planen kann.
Denn bei einem Klassentreffen muss man nicht erst erklären, wer man einmal war. Die anderen kennen einen Teil der eigenen Geschichte bereits.
Christin Meyer zur Heide brachte es so auf den Punkt: „Kein Bullshitbingo. Stattdessen Vertrautheit und ein ganz wunderbar unkompliziertes Miteinander. Obendrauf so viele bunte Leben und Erzählungen.“
Von der Schule in die Scheune
Nach dem Schulbesuch ging es weiter zu Felix Gämlich nach Schönwalde. Der Hufschmied stellte seine Räumlichkeiten für seinen ehemaligen Jahrgang zur Verfügung und kümmerte sich um das Buffet.
In einer hergerichteten Scheune wurde bis spät in den Abend gefeiert, gegessen und vor allem eines: geredet.
Über die Schulzeit, über gemeinsame Erlebnisse und über alles, was seitdem passiert ist. Manche Geschichte wurde an diesem Abend vielleicht zum ersten Mal erzählt, manche zum hundertsten Mal hervorgeholt. Genau das gehört schließlich zu einem Klassentreffen dazu.
Die „Götter“ vom „Abilymp“ sind zurück. Ein bisschen älter, vermutlich etwas weniger göttlich – aber offenbar noch immer gut darin, gemeinsam die Zeit zu vergessen.