Die Frau hinter dem Heiligenhafener Kult(o)urtaler

09.06.2026, 08:47 Uhr
Von: Annalena Kristof
Heiligenhafener Post, Strandzeitung

Diesen Artikel teilen
Seit 2010 prägt Cornelia Scheefeld das Erscheinungsbild der Kult(o)urtaler. In ihrer Werkstatt in Lensterbek entstehen derzeit die Exemplare für die Kult(o)urnacht 2026.

Seit 2010 prägt Cornelia Scheefeld das Erscheinungsbild der Kult(o)urtaler. In ihrer Werkstatt in Lensterbek entstehen derzeit die Exemplare für die Kult(o)urnacht 2026. © Annalena Kristof

Bis zur nächsten Kult(o)urnacht am 29. August (Sonnabend) werden noch fast drei Monate vergehen. Doch während die Besucherinnen und Besucher erst im Spätsommer wieder auf Stempeljagd in der Warderstadt gehen werden, läuft die Produktion des Kult(o)urtalers bereits auf Hochtouren. In ihrer Werkstatt in Lensterbek fertigt Cornelia Scheefeld derzeit die bis zu 500 Exemplare, die später wieder zu den begehrten Erinnerungsstücken der Kult(o)urnacht zählen werden. Wir haben die Künstlerin besucht und einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Heiligenhafen – Seit 2010 fertigt Scheefeld die Kult(o)urtaler und übernahm damit die Aufgabe des verstorbenen Heiligenhafener Künstlers Martin Hohmann, der die Erinnerungsstücke zuvor in seiner Werkstatt in der Bergstraße hergestellt hatte. Ihr erster Entwurf entstand dabei für die Sparkasse Holstein. Während die Taler zuvor häufig von Blautönen und historischen Gebäuden geprägt waren, öffnete Scheefeld die Gestaltung zunehmend für neue Farben und Motive – stets in enger Abstimmung mit den jeweiligen Sponsoren. In diesem Jahr handelt es sich dabei um den Tourismus-Service Heiligenhafen, dessen Logo den Taler zieren wird.

Alle bisherigen Kult(o)urtaler von 2004 bis 2025 sind im Rathaus zu sehen

Alle bisherigen Kult(o)urtaler von 2004 bis 2025 sind im Rathaus zu sehen © Annalena Kristof

500 Taler, unzählige Handgriffe

Bis zum fertigen Kult(o)urtaler sind dabei zahlreiche Arbeitsschritte nötig. Am Anfang steht die Idee. Gemeinsam mit dem Sponsor entwickelt Scheefeld das Motiv. Danach wird die Vorlage an eine Firma in Nordrhein-Westfalen geschickt, die daraus die Formen für die spätere Produktion herstellt. Anschließend verarbeitet Scheefeld nach eigener Schätzung zwischen 30 und 40 Kilogramm weißen Ton in ihrer Werkstatt zu 300 bis 500 Rohlingen. Nach einer ersten eintägigen Trocknungsphase werden diese dann versäubert und gestempelt. Nach einer weiteren Trocknungsphase folgen die Brennvorgänge: zunächst der sogenannte Schrühbrand bei bis zu 950 Grad Celsius, anschließend nach dem Auftragen der Glasur der Glasurbrand bei rund 1080 Grad. Viele spezielle Glasuren bezieht Cornelia Scheefeld dabei aus den USA. Aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen sei deren Beschaffung zuletzt allerdings schwieriger geworden, so die Künstlerin. Übrigens: Damit die Reliefstrukturen der Taler gut zur Geltung kommen, werden diese vor dem Brand einzeln vorsichtig mit einem Schwamm abgewischt. Bis ein Kult(o)urtaler fertig ist, hat Cornelia Scheefeld so jedes Exemplar mehrfach in der Hand. Trotz aller Routine läuft dabei nicht immer alles nach Plan, wie ein Vorfall aus dem vergangenen Jahr zeigt. Damals brachen in Scheefelds Brennofen mehrere Schamottsteine zusammen. „Zum Glück sind alle Kult(o)urtaler dabei heil geblieben“, so die Künstlerin, der man die Erleichterung darüber immer noch anmerkt.

Die Leidenschaft für das künstlerische Gestalten begleitet Cornelia Scheefeld dabei schon lange. Nach ihrer Ausbildung zur Schriftsetzerin studierte sie Grafikdesign und besuchte später die Cornwall School of Art in England. Dort entdeckte sie ihre Begeisterung für Keramik. Ihr Lehrer sei dabei ein prägender Einfluss gewesen und habe sie viel zum Ausprobieren ermutigt. Von dort brachte Scheefeld sogar ihren ersten Brennofen mit nach Deutschland.

Der Tourismus-Service Heiligenhafen sponsert den Taler in diesem Jahr.

Der Tourismus-Service Heiligenhafen sponsert den Taler in diesem Jahr. © Annalena Kristof

Persönliche Favoriten aus 16 Jahren

Besonders in Erinnerung geblieben sind Cornelia Scheefeld zwei Kult(o)urtaler. Ihr Favorit stammt dabei aus dem vergangenen Jahr. Das Motiv zeigt das älteste bekannte Stadtsiegel Heiligenhafens aus dem Jahr 1355. Umfangreiche Recherchen gingen dem Entwurf voraus. Die filigrane Umsetzung und die historische Bedeutung des Motivs hatten die Künstlerin dabei besonders gereizt. „Gerade in unserer schnelllebigen Zeit hat dieser Taler für mich eine große Wertigkeit“, so Scheefeld. Auch der Kult(o)urtaler aus dem Jahr 2013 hat einen besonderen Platz in ihrem Herzen eingenommen. Damals feierte die Eisdiele Fontanella ihr 50-jähriges Bestehen. Statt eines Gebäudes zeigt der Taler ein Eishörnchen – ganz nach den Wünschen der Betreiberin, die wenig später ihren Kampf gegen eine Krebserkrankung verlor. Die rund 300 Exemplare wurden von Scheefeld dabei einzeln von Hand bemalt. Sie sagt: „Für mich war das einfach eine Herzensangelegenheit.“

Trotz des hohen Aufwands denkt die Künstlerin nicht ans Aufhören. Die Arbeit mit den Menschen, die gemeinsame Entwicklung neuer Ideen und die Verbindung von Geschichte, Handwerk und Kunst bereiten ihr nach wie vor Freude. Ein Geheimnis bewahrt sie dabei bis zum Schluss: Welche Farbe der Kult(o)urtaler 2026 tragen wird.

Cornelia Scheefeld in ihrer Werkstatt.

Cornelia Scheefeld in ihrer Werkstatt. © Annalena Kristof

Meistgelesen

Bye-bye Bezahlschranke: Das beste nordish.news ist da! Digital

Bye-bye Bezahlschranke: Das beste nordish.news ist da!

Heute ist ein guter Tag, um gut informiert zu werden: Mit dem 1. Juli bieten...

Schwerer Auffahrunfall bei Eutin: Fünf Verletzte, drei davon schwer Eutin

Schwerer Auffahrunfall bei Eutin: Fünf Verletzte, drei davon schwer

Bei einem schweren Verkehrsunfall zwischen Fissau und Sibbersdorf sind am Samstagmorgen fünf Menschen verletzt worden,...

Annika Loewe
Nach Hausdurchsuchung: Bei der HVB geht der Blick nach vorn Heiligenhafen

Nach Hausdurchsuchung: Bei der HVB geht der Blick nach vorn

Die Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB) haben seit Ende Mai turbulente Wochen hinter sich. Als bekannt wurde,...

Patrick Rahlf