„Mir reicht es!“
Der Eutiner Björn Hansmann macht seinem Ärger über die Bundesregierung öffentlichkeitswirksam Luft
05.09.2026, 20:40 Uhr
Von:
Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente
Björn Hansmann hat ein Problem mit dem Bundeskanzler: „Friedrich Merz rafft einfach nicht, dass er nicht erwünscht ist“, sagt er. Der Eutiner selbst jedenfalls lässt den Regierungschef in regelmäßigen Post auf Tiktok und in kurzen youtube-Clips unter dem Stichwort „mirreichtes2026“ wissen, was er von ihm und seiner Politik hält. „Er erfüllt seine Aufgaben nicht. Entgegen dem Eid, den er geschworen hat“, meint Hansmann. Er hat mehr als einen offenen Brief geschrieben und bereits in einer Petition die Abwahl des Politikers gefordert.
Seit zwei Wochen erreicht er mit seiner neuesten Aktion auch Menschen, die nicht auf Social Media unterwegs sind: An den Eutiner Ortseingängen und am Süseler Baum hat er Plakate aufgehängt. Das Motiv: Ein Plüschteddy, dem eine harte Hand Geldscheine aus dem Kopf schüttelt, dazu in Blockbuchstaben die Frage „Wie lange wollt Ihr uns noch beuteln?“ und die Ansage „Wir haben genug!“. 250 Euro habe er in den Druck der Plakate investiert und natürlich beim Ordnungsamt die entsprechende Genehmigung eingeholt, ehe er seine Botschaften platziert habe, erzählt er beim Ortstermin an der Lübecker Landstraße.
Hier erläutert er auch, was genau ihn auf die Palme bringt. Die Unterstützung für Ukraine nennt er als wichtigen Punkt: „Der Russe ist nicht unser Feind, der größte Kriegstreiber ist Selenskyi mit seinen Forderungen. Er sollte lieber verhandeln“, ist Hansmann überzeugt. Grundsätzlich hat er Verständnis für Putins Handlungen und führt die Nato-Osterweiterung nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes als Grund an. Das Geld, das Deutschland zahle, sollte besser in Schulen, Opferschutz und die Infrastruktur investiert werden, so Hansmann. Auch die „Rente mit 70“ ist ein Thema, zu dem er eine klare Meinung hat: „Geht nicht!“
Dass unter seinen Posts auch schon mal „Nur die Afd“ als Kommentar zu lesen ist, stört ihn nicht: „Das ist nicht mein Motto, ich bin kein Linker und kein Rechter. Aber wir haben Meinungsfreiheit und deshalb lösche ich diese Kommentare auch nicht“, sagt der Koch, der aus Hessen stammt, bis auf eine Unterbrechung seit den 1990er Jahren in Ostholstein zu Hause ist und seit einigen Jahren in Eutin wohnt. Seinen Protest trägt er unter seinem Klarnamen vor und auch als Urheber der Plakate ist er ausgewiesen: „Ich stelle mich jeder Diskussion“, sagt der 53-Jährige.
Der Zeitpunkt der Plakatierung habe nichts mit der anstehenden Wahl in Sachsen-Anhalt zu tun, versichert er auf Nachfrage. Zum Stichwort Migration erzählt er von vielen guten Kontakten zu Menschen mit Migrationshintergrund: „Wenn sie hier arbeiten und Steuern zahlen, immer her damit!“
Bleibt die Frage, ob ein Mensch, der keine Scheu hat sich zu positionieren, sich auch in der Kommunalpolitik engagieren will: „Das kann ich mir gut vorstellen, erste Ideen dazu gibt es bereits, aber dafür muss ich mich erst einmal genauer mit den Eutiner Themen beschäftigen“, lautet die Antwort. Vor vielen Jahren war er Mitglied der SPD Hessen. Dahin aber, das kann man getrost prophezeien, wird so bald kein Weg zurückführen.