„Mit Krankheit soll kein Geld verdient werden!“
Demo gegen Verkauf der Kreisanteile an AMEOS
26.08.2026, 11:11 Uhr
Von:
Christian Burgdorf
der reporter Eutin/Malente,
der reporter Oldenburg
Der Kreis Ostholstein hält bisher noch 5,2 Prozent Geschäftsanteile an der Ameos Krankenhausgesellschaft Ostholstein und kann somit immer noch einen unmittelbaren Einfluss auf die geschäftlichen Entwicklungen der Ameos-Einrichtungen in der Region nehmen. Mit dem Plan, die 5,2 Prozent an Ameos zu veräußern, würde dieses Regulativ entfallen.
Dass am 25. August im Haupt- und Finanzausschuss des Kreises über den Verkauf der Kreisanteile an der Ameos Krankenhausgesellschaft Ostholstein beraten werden sollte, war für die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und dem Marburger Bund, der die Interessen der Ärztinnen und Ärzte vertritt, Grund genug, zu einer Demonstration gegen den Verkauf der Anteile des Kreises aufzurufen.
Vor der Ameos Klinik versammelten sich circa 60 Frauen und Männer, die die Argumente gegen den Verkauf lautstark mit Trillerpfeifen und Rasseln bekräftigten. „Mit eurer Teilnahme setzt ihr euch heute für die Rechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Das ist ein wichtiges Zeichen für den Verbleib der kommunalen Beteiligung und für den Erhalt der Tariftreue. Denn mit einem Verkauf der Geschäftsanteile steht sicher auch die Einhaltung der Tarifbindung auf dem Spiel“, stellte ver.dis Gewerkschaftssekretär Arne Cords zur Begrüßung der Teilnehmenden fest.
Nach einem von der Polizei begleiteten Marsch durch die Elisabeth-, Albert-Mahlstedt- und Freischützstraße kam es dann vor dem Hauptportal des Kreishauses in der Lübecker Straße zur Kundgebung.
„Keine 100 Prozent für Ameos, weil es wichtig ist, dass die medizinische Versorgung in der Region nicht einem privaten Unternehmen überlassen wird, das damit finanzielle Gewinne erzielen will. Medizinische Versorgung ist eine Daseinsvorsorge, die in die öffentlichen Hände gehört“, erklärte Cords. Der Meinung schloss sich auch Iris Stelter an: „Ich habe 34 Jahre in Middelburg gearbeitet. Nun wird das Haus bis auf ein paar Ausnahmen aus geschäftlichen Gründen einfach nach Oldenburg verlegt. Natürlich haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Weg nicht mitgehen können, große Nachteile. Mit Krankheit soll kein Geld verdient werden, die Versorgung gehört nicht in private Hände.“
Auch Michael Wessendorf, Vorsitzender des Marburger Bundes, Landesverband Schleswig-Holstein berichtete, dass sich bei ihnen Ameos seit langem im Fokus befindet, da es die Krankenhausgesellschaft ablehnt, Tarifverträge abzuschließen. „Es gibt Häuser, in denen Ärztinnen und Ärzte für dieselbe Arbeit unterschiedlich entlohnt werden“, berichtete er und bezeichnete Ameos als einen eher kauzigen Konzern, der keine Strategien offenlegt und mit dem Marburger Bund und anderen Gewerkschaften nicht reden will. „Das alles widerspricht den Leitlinien des Konzerns, in denen die Beteiligung aller an den geschäftlichen Entwicklungsprozessen versprochen wird“, meinte Wessendorf und forderte den Kreis auf, mit 5,2 Prozent weiterhin am Klinikalltag beteiligt zu bleiben.
Als Gastredner wandte sich der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Thomas Garken, an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Er berichtete, dass im Haupt- und Finanzausschuss noch nichts entschieden wird. „Meine Fraktion will nicht, dass die Geschäftsanteile des Kreises verkauft werden, weil die medizinische Versorgung der Bevölkerung qualitativ gesichert sein muss. Auch wenn noch nichts passiert ist, müssen wir alle aufpassen und dafür kämpfen, dass es so bleibt“, so Garken, der darauf hinwies, dass mit der Vorstellung des Landeskrankenhausplans am 1. September ein weiterer wichtiger Termin ins Haus steht.
Abschließend berichtete Kevin von der ver.di-Jugend aus Lübeck über die Sorgen auch der jüngeren Generation. „Wenn wir krank werden, darf nicht darauf geguckt werden, inwieweit sich eine Behandlung finanziell rechnet. Wir brauchen eine optimale Versorgung. Und das geht nicht, wenn der Krankenhausbetreiber dabei nur den Gewinn im Blick hat. Deshalb braucht es ein Regulativ und darum dürfen die 5,2 Prozent nicht an Ameos verkauft werden“, meinte er nachdrücklich.