Im Kleinen große Kunst entdecken
Das OH-Museum zeigt Studien des Eutiners Wilhelm von Kobbe
03.07.2026, 05:52 Uhr
Von:
Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente
Man weiß nicht viel über den Menschen Wilhelm von Kobbe: 1859 in Itzehoe geboren, absolvierte er eine Ausbildung an der Lithographischen Anstalt in Hamburg und am Polytechnikum in Hannover.
Sein beruflicher Weg aber führte in eine andere Richtung: 1889 zog er nach Eutin, wo er das Drogerie- und Farbgeschäft seines Bruders übernahm. Als Geschäftsmann war er präsent in der Eutiner Stadtgesellschaft, engagierte sich sozial, nahm am öffentlichen Leben teil. Die Geschäfte gingen gut, von Kobbe inserierte regelmäßig im Anzeiger des Fürstentums Lübeck. Noch lange nach dem Ausscheiden der Familie firmierte die Drogerie unter dem Namen „W.v.Kobbe Nachf.“.
Dann war Wilhelm Kobbe, der 1925 starb, also ein Kaufmann wie viele andere?
Wohl nicht, denn Wilhelm von Kobbe gab auch der anderen Seite seiner Persönlichkeit Raum. Die Kunst spielte zeitlebens eine große Rolle für den Maler, dessen Landschaftsgemälde sich gut verkauften. Für von Kobbe selbst aber muss die künstlerische Begegnung mit der Natur mehr bedeutet haben als einen erklecklichen Zusatzverdienst. Das offenbaren die Studien und Skizzen, die derzeit im Dachgeschoss des Ostholstein-Museums zu sehen sind. Wann immer es seine Zeit erlaubte, machte sich von Kobbe auf den Weg in die Umgebung, unternahm bei entsprechendem Wetter schon am frühen Morgen Wanderungen mit Papier und Palette, fing unterm freien Himmel Landschaft, Licht und Stimmung ein. Die Blätter, die so entstanden, dienten als Vorlagen, als Blick- und Gedankenstützen für Ölgemälde, die er später im Atelier ausarbeitete. Dass diese Skizzen dem Maler selbst nicht unbedeutend waren, bezeugt er mit seinem Namen: Viele der schnellen Ansichten hat er signiert und aufbewahrt. Und auch in der Familie war man sich über Generationen hinweg offensichtlich bewusst darüber, mit dem Nachlass des Vorfahren einen künstlerischen Schatz zu besitzen, und hütete ihn entsprechend.
Die Arbeiten, die nun im Museum zu sehen sind, sind Teil einer Schenkung von rund 85 Ölbildern und -studien von Kobbes. Nach einer Restaurierung, finanziert durch die Fielmann Group AG, faszinieren sie nun in vielerlei Hinsicht. Sie belegen nicht nur von Kobbes Könnerschaft, sein Vermögen, Farben in Natur zu verwandeln. In den Szenerien lässt sich auch entdecken, wie Umgebung vor mehr als hundert Jahren aussah. Und sie erlauben einen Einblick in die Arbeitsweise eines leidenschaftlichen Malers. Sogar der praktisch transportable Malkoffer von Kobbes samt ausfahrbarem Stativ ist ausgestellt. Ergänzend hat Regine Jepp vom Büro für Eutiner Stadtgeschichte aus alten Ausgaben des „Anzeigers“ Anzeigen herausgesucht und Stadtarchivar Jakob Sperrle konnte ein Familienalbum beisteuern.
Dass sich Museumsleiterin Dr. Julia Hümme und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Sophie Matuszczak entschieden haben, die Blätter weder zu rahmen noch hinter Glas zu setzen, ist wesentlich für die stimmige Gesamtkomposition dieser Ausstellung. Präsentiert werden sie hängend, auf stabilisierende Künstlerpappen gezogen. Die Spuren der Reißzwecke künden davon, dass die Ansichten einmal als Arbeitsmaterial genutzt wurden. Zum Teil sind sie in der Schau den „fertigen“ Werken zugeordnet, ein weiterer interessanter Aspekt. Wirken aber tun sie in ihrer Aussage ganz für sich. Versuche mit unterschiedlichen Perspektiven, wiederkehrende Motive, eine Waldszene, in der ein Teil schon ausgearbeitet ist, der andere nur vorschattiert: „Vielleicht hat es angefangen zu regnen und er musste abbrechen?“, stellt Sophie Matuszczak in den Raum. Unter dem Strich steht eine unmittelbare Begegnung mit der Kunst, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Die Ausstellung „Wilhelm von Kobbe (1859 – 1925) – Der Reiz der Skizze“ ist bis zum 20. September zu sehen.