„Was zählt, ist die Freude an der Geselligkeit!“

Das Gildefest am Düvelsbrook: Gepflegte Tradition um einen federlassenden Holzvogel

02.07.2026, 13:38 Uhr
Von: Lotta Schneider
der reporter Plön/Preetz

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Sie halten die Fahne hoch für das Gildefest: Die Ältermänner Stefan Meyer und Torben Martens laden dazu ein und freuen sich auf viele Gäste, die den Spaß an gepflegter Tradition, Musik und Geselligkeit mit ihnen teilen mögen.

Sie halten die Fahne hoch für das Gildefest: Die Ältermänner Stefan Meyer und Torben Martens laden dazu ein und freuen sich auf viele Gäste, die den Spaß an gepflegter Tradition, Musik und Geselligkeit mit ihnen teilen mögen. © Lotta Schneider

Es wird sich zeigen, wem beim Plöner Vogelschießen der entscheidende Schuss gelingt. Und wer am Ende des Gildefestes den silbernen Schild des Gildekönigs um den Hals trägt. In einer Woche ist es soweit. Dann kommt das „Schapp-Tüüch“ aus dem Schrank und eine frische rote Rose ins Knopfloch. Los geht’s.

„Nur, wer an dem Tag da ist, sich in die Liste eingetragen und eine Schießnummer hat, kann König werden“, sagt Torben Martens. Doch einen heißen Tipp, wer die nächste Majestät der Plöner Schützengilde werden könnte, hat der zweite Ältermann nicht. Und auch erster Ältermann Stefan Meyer hüllt sich zurückhaltend in Schweigen. Nichts zu machen, es bleibt also nur, mit Spannung abzuwarten, was der Freitagabend des Gildefestes am 10. Juli 2026 so hergibt.

Der Spaß beginnt am Donnerstagabend, 9. Juli, dem Tag des Vogelrichtens. Dann liegt Musik in der Luft. Und zwar zunächst am Wentorper Platz, gegenüber dem Kreismuseum, um 16.30 Uhr. Der musikalische Marsch führt danach zum Düvelsbrook, wo der hölzerne „Papagoy“ ab 18 Uhr mit einen Taufspruch auf seine Stange gebracht wird.

So musikalisch wird es auch am Freitag, dem eigentlichen Festtag sein. Es ist der Tag, an dem zugleich das Königsjahr für Sven I. und Dorit I. Hansen festlich-zünftig zuende geht. Die Gildebrüder werden ihre Majestäten bereits um 6.30 Uhr mit der Fanfare weckten. Um 8.30 Uhr ist der Treffpunkt der Platz beim Museum des Kreises Plön und der Johanniskirche, Das Rathaus am Schlossberg ist jetzt das Ziel. Die Musik wird auch zur Stelle sein. Nach dem Appell folgt der eigentliche Ausmarsch der Gilde zu ihrem Festplatz am Düvelsbrook, wo ihr Festkommers bei geschlossener Gesellschaft auf dem Programm steht. Aber ab 15 Uhr ist der Platz auch für Gäste wieder geöffnet. Mit Kaffee, Kuchen und Klönschnack sowie Kinderspielen. Ein Foodtruck steht bereit. Alle über 14-jährigen können beim Luftgewehrschießen teilnehmen – das Laserschießen entfällt - und sich gegebenenfalls um 18 Uhr über ihre Erfolge freuen: dann ist die Preisverleihung. Möglich, dass der Vogel in der Zwischenzeit durch geschickte Schüsse aus dem „Ballerhuus“ schon von der Stange fällt, wer weiß?

Ab 19.30 Uhr finden sich alle in der Festhalle zur Ehrung der besten Schützen und des Königsschützen ein. Dann wird es auch Zeit für das Königsbier. Spannender Höhepunkt: die Proklamation der neuen Majestät um 21 Uhr. Mit ihr beginnt ein neues Gildejahr.

Für den guten Ton an diesen beiden Gildetagen kommt das Förde Blasorchester Kiel in die Kreisstadt gereist. Im Handgepäck zünftige Märsche, auch Lieder der Plöner Wallberg-Kapelle aus preußischer Zeit, die sich im Gildearchiv fanden – das Haus der Familie Wallberg habe sich auf dem Vierschillingsberg befunden, weiß Ältermann Stefan Meyer, und die Musiker waren als eine Art Städtischer Kapelle auf allen Plöner Festivitäten gefragt. Daher also die Notenbücher.

Aber für das Gildefest 2026 stehen noch ganz andere und deutlich heißere Klänge auf dem Programm. „Highway To Hell spielen die nämlich auch“, sagt Stefan Meyer.

Der feierliche Auftakt am Wentorper Platz hat Tradition. Der aus einem Stein geschlagene „Papagoy“ ist ein künstlerisches Abbild des ziemlich großen Holzvogels, der hier präsentiert wird, und befindet sich nahe der Friedenseiche beim gegenüberliegenden Museum. Das wiederum ist der Ort, wo die Gildeschätze ausgestellt werden. Wenn sie nicht gerade anderswo im Einsatz sind.

Museum und Gilde hängen also eng zusammen, nicht zuletzt, weil ein gewisser Eduard Hasse als Plöner Hofapotheker hier im 19. Jahrhundert beruflich wirkte und wohnte. Hasse war außerdem Ältermann der Gilde.

Dass die Gilde mit ihrem Vogel feierlich Furore macht, hat auch mit der Würdigung traditionellen Handwerks zu tun, das hier unmittelbar sichtbar wird. Denn jedes Jahr darf der Holzvogel in der Tischlerei Ploog wie ein Phönix aus der Asche neu entstehen. Und ebenso sicher wird er wieder von der Stange geholt werden.

Aber bevor er darauf seinen Platz einnimmt, erhält er bei Ex-König und Malermeister Werner Senkpiehl aus Rathjensdorf zunächst noch seinen Anstrich im traditionellen Look. Seit der Jahrtausendwende hat Senkpiehl diese Aufgabe übernommen. In der Regel sind drei Farbaufträge notwendig. So gehen einige Stunden ehrenamtlicher Arbeit ins Land, bevor alles bereit ist.

Neben den sogenannten Insignien wie Reichsapfel und Krone hat die Vogelfigur 27 Federn. Beim Schießen haben es die Schützen auch darauf abgesehen, denn für alles gibt es Preise. So muss die spezielle Kultfigur die Federn lassen. Andere zielen auf die Fahne, das Zepter oder gar die Zitrone.

„Eigentlich geht’s uns nicht vorrangig ums Schießen“, sagt Stefan Meyer. Was zähle, sei vor allem die Freude an der Geselligkeit. Und die rote Rose symbolisiere ihre Gemeinschaft. Das passt gut, denn in die Zeit der Rosenblüte fällt auch das Fest der Plöner Schützengilde.

Tradition hat auch der Gilde-Gottesdienst, der in Teilen „op Platt“ abgehalten wird. Er beginnt am Sonntag, 5. Juli, um 13 Uhr in der Johanniskirche mit Pastorin Eva Rahnenführer.

Ein jährlich wiederkehrendes Bild: der Ausmarsch 2018 durch die Stadt zum Düvelsbrook.

Ein jährlich wiederkehrendes Bild: der Ausmarsch 2018 durch die Stadt zum Düvelsbrook. © Lotta Schneider

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