Lachmöwen-Bühne als kriminologisch-amouröser Brennpunkt
Brandstiftung in der Probstei - eine heiße Sache
14.07.2026, 15:05 Uhr
Von:
Lotta Schneider
PROBSTEER
Donnergrollen. Pastor Brand hat den lieben Gott ganz schön strapaziert. Wie sehr, das wissen die Zuschauer am Ende der Vorstellung im Laboer Lachmöwen-Theater ganz genau.
Brandstiftung. Ein Bühnenstück, bei dem die Hütte brennt, sogar zweifach. Das Laboer Lachmöwen-theater wandelt sich in der Saison 2026 zum fiktiven Ort Lünkenhagen als Hotspot in der Probstei. Am Freitag, 31. Juli ist Premiere. Ab 20 Uhr lüften die Lachmöwen das Geheimnis um diese wahrlich heiße Sache – und mit Ohnsorg-Kooperation. Es steckt eben weit mehr dahinter, wie sich bei diesem Dreiakter in illustrer Besetzung herausstellen wird. Nur wer?
Es ist Hauptprobe. Der erste Durchlauf. Komplett. Und schließlich der Abgang. Ende. Kurz darauf sitzt das Ensemble etwas ermattet, aber mit gespitzten Ohren auf der Bühne beieinander. Zeit für den Feinschliff in einer konstruktiven Kritik. Harter Kritik.
Unverblümt und klar analysiert Regisseur Michael Koch vom Hamburger Ohnsorg-Theater, woran es ihm fehlt, an welchen Stellen es in den Übergängen hakt oder wo die schauspielerische Energie geschwächelt hat. Gilt es doch, in diesem reichlich strengen Procedere am Ende alles herauszukitzeln, was in den einzelnen Rollen an Ausdrucksvermögen, Konzentration und Gefühl für die gespielte Figur überhaupt möglich ist.
Dass aber alle alles geben werden, steht für ihn außer Frage. „Sie sind erstaunlich motiviert“, sagt Michael Koch, und seine große Anerkennung klingt heraus. „Mir macht es unglaubliche Freude, hier zu arbeiten.“
Ohnesorg-bestuhltes Theater-Kleinod am Katzbek 4
Die guten connections der Lachmöwen zum Hamburger Ohnsorg-Theater sind sogar am rot gepolsterten Gestühl sichbar, das die Laboer vor Jahren übernommen haben. Wer ihr Kleinod am Katzbek 4 besucht, darf also bequem in original Ohnesorg-Stuhlreihen sitzen.
Dass dann noch Heidi Mahler neben Jan Steffen als Pastor eine Hauptrolle von Brandstiftung spielt, nämlich die der armen Witwe Facklamm, ist das Ohnesorg-i-Tüpfelchen der Lachmöwen-Saison 2026.
Zuletzt vor drei Jahren hatte die Schauspielerin im Klassiker Tratsch im Treppenhaus auf der kleinen Bühne an der Kieler Förde für Furore gesorgt und ihr Mann Michael Koch auch damals die Regie geführt.
Die wohlgepflegte lebendige Kooperation mit den Hamburgern unterstreicht aber auch, dass dieses Jahr für die Lachmöwen ein ganz besonderes ist:
Es ist das vierzigste Jahr seit Gründung. Sein Jubiläumsjahr hat das Lachmöwen-Theater daher zum Anlass genommen, eine richtig heiße Angelegenheit zum Thema seiner Inszenierung zu wählen – nomen est omen.
Das Stück Brandstiftung ist ein Klassiker der 1950-er Jahre: Ein Schwank in drei Akten, geschrieben von Günther Siegmund. Und ein für die Kreis-Plöner Probstei maßgeschneidertes Stück, zünftig op Platt, wie man erwarten darf.
Das ist angesichts der mit jungen Spielern besetzten Rollen umso schöner, unterstreicht Michael Koch, als es den Anschein hat, als würde die plattdeutsche Sprache nur noch auf den Bühnen gerettet werden können. Auch dies also ein Aspekt, der Theaterkultur mehr Aufmerksamkeit zu zollen, zumal der niederdeutschen.
Es gibt übrigens überhaupt keinen Grund, mit dem Niederdeutschen zu fremdeln: Im Gegenteil. In der sauberen Artikulation und klaren Betonung wird in dem Handlungsgeschehen kein Zuschauer mit Fragezeichen zurückgelassen. Jeder wird diesem Dank der sprachlich exakt herausgearbeiteten Qualität der Inszenierung ohne Probleme folgen können. Selbst wer mit dem Plattdeutschen nie zuvor in Berührung gekommen ist. Denn Platt passt perfekt zum komödiantischen Spiel.
Oberstes Gebot: Christenpflicht
Pastor Brand, gespielt von Jan Steffen, ist ein gottergebener Kirchenmann, der eine umsichtige Betreuung seiner Schäfchen pflegt. Einen guten Draht nach oben zudem.
In dem Dreiakter Brandstiftung hat der in seiner Gemeinde herzhaft die Strippen ziehende Pfarrer alle Hände voll zu tun.
Insbesondere nachdem bei einem Gewitter gleich zwei Häuser abgebrannt sind:
Das der armen Witwe Facklamm, gespielt von Heidi Mahler sowie wechselnd Birgit Bockmann und Angela Tafel.
Aber auch Pastor Brands Haus. Da wird Lachmöwenspieler Michael Schmidt als argwöhnisch ermittelnder Brandmeister von Lünkenhagen vor eine komplizierte Aufgabe gestellt.
Noch komplizierter machen alles die scharfen Beobachtungen des Ostpreußen Herrn Mattuscheid, der für den gewissen Pfiff auch in sprachlicher Hinsicht sorgt: Christian Becker ist es in dieser Rolle gelungen, sich den Sound der ostpreußischen Sprache autodidaktisch erarbeiten. Dazu hat der Schauspieler seine Einsätze be- und umgearbeitet, wodurch das Stück aus der Nachkriegszeit an Authentizität und zudem ein besonderes Profil an der Stelle gewinnt.
War wirklich Blitzschlag der Grund? Der spannungsgeladene Spagat zwischen Himmel und Erde hält Pastor Brand mächtig auf Trab, als das Geraune um Brandstiftung in Lünkenhagen die Runde macht. Sind es doch die himmlischen Kräfte, die ihn bei seiner Gratwanderung alltäglich den Weg weisen.
Bekanntlich gibt es nichts Gutes, außer, man tut es. Die Lünkenhagener Hilfsbereitschaft: beispielhaft - jedenfalls gegenüber dem Pfarrer. Der Pastor könnte schließlich an höchster Stelle ein gutes Wort einlegen, so das unausgesprochene Kalkül.
Nicht jedoch gegenüber der armen Witwe Facklamm und ihrem Enkel Jan, gespielt von Hajo Schneider. Dabei war deren Haus nicht einmal versichert, wie sich herausstellt.
Und dann ist da noch Jan Facklamms amouröses Techtelmechtel mit Kaufmann Dreyers Tochter Lieschen, in deren Rolle Lea Keßler zu sehen ist.
Wie also kann Pastor Brands kurzer Draht gen Himmel helfen, seine „Schäfchen“ mit göttlichem Beistand ins Trockene zu bringen?
In weiteren, teils doppelt besetzten Rollen:
Pastor Brands Haushälterin Meta: Verena Peters
Kaufmann Dreyer: Matthias Dehn; Asmus Finck-Stoltenberg
Bürgermeister Tiedtke: Till Huster; Olaf Bessel
Bürgermeister/in Ahrends: Christian Seeler; Michaela Fröh
Infos zum Kartenverkauf unter: https://www.lachmoewen.de/index.php/spielplan/programm-sommer/spieltermine