15. Dezember ist der letzte Tag
Boote Keusen schließt „schweren Herzens“
25.08.2026, 16:04 Uhr
Von:
Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente
Diese Nachricht dürfte nicht nur alle erschüttern, die Eutin wegen seiner Seen und der Spitzenlage im Wasserwegenetz lieben. Auch für den Wirtschaftsstandort Eutin ist der Entschluss, den Tino Keusen gefasst hat und jetzt öffentlich macht, ein echter Verlust: Der Inhaber des Familienbetriebes „Boote und Anhänger Keusen“ schließt sein Unternehmen. Letzter Öffnungstag wird der 15. Dezember sein. Bis dahin läuft ein Abverkauf des gesamten Sortiments mit einem Preisnachlass von bis zu 25 Prozent. Die Kanuvermietung endet saisonbedingt schon nach dem 30. September. Abzugeben sind Kanus, Kajaks, Anhänger und jede Menge Zubehör.
„Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, schließlich hat mein Vater Karl-Heinrich Keusen den Betrieb 1989 gegründet. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Reißleine zu ziehen“, erklärt der Eutiner. Die Firma ist nicht pleite, aber der Druck gerade auf kleine Unternehmen wie seines wachse zunehmend: „Wir haben immer mehr Auflagen zu erfüllen und viele davon sind mit hohen Kosten verbunden“, führt Keusen aus und nennt als Beispiel die Einführung der Registrierkassenpflicht: „Die Anschaffung eines solchen Kassensystems würde uns mit acht- bis zehntausend Euro belasten“, so Keusen. Dazu kämen hohe Personalkosten und ein verändertes Kundenverhalten: „Die Unterstützung für den Fachhandel vor Ort nimmt ab. Viele Menschen kaufen im Internet, das wirkt sich aus“, legt Tino Keusen dar. Seit 2015 versucht er als Inhaber, mit renommierten Partnern, ausgesuchten Produkten und einem guten Service gegen diesen Trend zu arbeiten. Mit Erfolg: Boote Keusen ist ein fester Begriff in der Region und darüber hinaus.
Nach der Corona-Krise aber wurde es zunehmend schwieriger, die Balance zwischen Arbeit, Aufwand und dem, was am Ende unter dem Strich steht, zu halten. Dazu kommt die persönliche Belastung: Von Mitte April bis Oktober steht Tino Keusen im Durchschnitt 60 Stunden pro Woche im Geschäft: „Für die Familie bleibt da keine Zeit und auch das will ich ändern“, betont er.
Es ist dennoch ein Schlussstrich voller Wehmut: Tino Keusen kennt den Betrieb, den sein Vater aufgebaut und ihm übergeben hat, wie seine Westentasche. Er ist in dem Unternehmen, das er als Nachfolger wesentlich mitgeprägt hat, erwachsen geworden: „Die Arbeit wird mir fehlen“, meint er unumwunden und sagt, was er besonders vermissen wird: „Den Handschlag zur Begrüßung, den lockeren Schnack genauso wie den ernsthaften Austausch.“ Wer ihn kennt, weiß, dass er immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte und für (fast) alles eine Lösung fand. Talent, das in der Familie liegt. Mutter Frauke Keusen weiß jede Menge Anekdoten zu erzählen. Sie ist eine, die zupacken kann und auf alles eine Antwort parat hat. Mit all ihrer Erfahrung steht sie hinter dem Entschluss, das Kapitel „Boote und Anhänger Keusen“ nun zu schließen. Damit werden zum 1. Januar 2027 die Geschäftsräume in der Sielbecker Landstraße 17 in Fissau frei: „Wer sich dafür interessiert, kann sich gern bei mir melden“, so Frauke Keusen.
Und welche Pläne verfolgt der Sohn? „Ich werde ganz normal arbeiten gehen“, sagt Tino Keusen. Am liebsten wäre ihm eine Anstellung als Hausmeister. „Die Mischung aus vielfältigen Aufgaben, Verantwortung und Kontakt zu Menschen wäre genau das Richtige für mich, danach suche ich“, findet er. Die Aussicht auf einen solchen beruflichen Neuanfang mildert den Schmerz des endgültigen Aus ein wenig. Sicher ist aber auch: Auf Tino Keusen warten viele bittersüße Abschiedsmomente, denn die Zahl derer, die mit „Boote und Anhänger Keusen“ umgezogen oder auf Kanutour gegangen sind, ist groß. Für eingefleischte Kanufans waren die Wasserwanderungen mit Kanus von Keusen gesetzt. Der jüngste „Paddler“ war acht Monate alt, der älteste über 90 Jahre. Sie alle werden in der nächsten Saison ihre Boote an anderer Stelle mieten müssen und schon heute kann man sagen: Diese Lücke wird die Stadt schmerzen.