Drei neue Infotafeln werben an Schönbergs Stränden für saubere Meere
Bewusstsein für das Müllproblem schärfen
15.07.2026, 17:53 Uhr
Von:
Volker Graap
PROBSTEER
Warum das Rad neu erfinden, wenn es anderswo bereits erfolgreich läuft? Das hat sich auch Knut Lindau, der Vorsitzende des Gewerbevereins Schönberg, gesagt, als ihn ein Aufenthalt auf Amrum zu einer Umweltschutzaktion inspirierte. Dort war er auf Hinweistafeln zum Meeresschutz aufmerksam geworden. Unter dem Motto „Kein Müll in unsere Meere“ finden sich jetzt an der Promenade und an den Fischerhütten in Schönberger Strand sowie in Kalifornien ähnliche Infotafeln. Der Gewerbeverein Schönberg und die Gemeinde Schönberg wollen damit Strandbesucher für den Schutz der Meere sensibilisieren.
Im Jahr 2022 sah Knut Lindau die Schilder das erste Mal. „Auf Amrum stehen sie schon seit Jahren und informieren die Gäste über das Müllproblem in den Meeren“, berichtet Lindau. Die Gestaltung habe ihn überzeugt, weil sie das Thema anschaulich und leicht verständlich vermittle: Die Künstlerin Hilke Theis von der Insel Föhr hatte die Grafik in ihrem Atelier Spinelli entwickelt. Die Illustration zeigt, wie lange sich solche Art von Abfall im Meer hält. Papiertaschentücher beispielsweise zwei bis vier Wochen, Kippen und Windeln ein bis drei Jahre, Styroporbecher 50 Jahre. Plastikflaschen benötigen sogar bis zu 450 Jahre, bis sie sich zersetzen.
Diese Zeitachse macht auf den ersten Blick klar, was es bedeutet, wenn Verpackungsmüll, Einwegartikel oder Zigarettenkippen am Strand zurückbleiben. Gelangt der Abfall durch Wind oder Hochwasser ins Meer, kann er oft nicht mehr eingesammelt werden. Die Folgen für die Meeresumwelt sind erheblich: Plastikverpackungen, Dosen, Glas und Reste von Fischernetzen verschmutzen die Ozeane und gefährden zahlreiche Tierarten.
Seevögel, Robben, Schildkröten und Kleinwale verfangen sich immer wieder in sogenannten Geisternetzen oder verschlucken Kunststoffteile. Durch Sonne, Salz und Wellengang zerfällt Plastik zudem zu Mikroplastik, das über Fische und andere Meerestiere in die Nahrungskette gelangen kann. Besonders bemerkenswert ist, dass sich die Botschaft auch ausdrücklich an Kinder richtet. Nach den Erfahrungen der Initiatoren seien es häufig die jüngsten Strandbesucher, die ihre Eltern auf achtlos weggeworfenen Müll aufmerksam machten und so zu einem verantwortungsvolleren Verhalten beitragen würden.
Um die Illustration von Hilke Theis nutzen zu können, nahm Lindau Kontakt zur Künstlerin auf. Gewerbeverein und Gemeinde erwarben dann eine Lizenz, die die Aufstellung von bis zu drei dieser Tafeln ermöglicht. Mit der Aktion knüpfen die Schönberger an Maßnahmen an, die bereits jetzt das Müllproblem auch an den örtlichen Stränden thematisieren: So werden über den Verband Ostsee-Holstein-Tourismus pro Jahr 2.000 Aschenbecher an Strandbesucher verteilt, um die Kippen-Problematik in den Griff zu bekommen. „Es gibt regelmäßige Müllsammlungen und Strandreiniger, die dreimal in der Woche an der Küste unterwegs sind“, ergänzen Ulrike Münzberg-Niemann und Jessica Struß vom Tourismus-Service. Außerdem schreibt die Gemeinde schon seit den 90er-Jahren Mehrweg für Veranstaltungsgastronomie vor – denn Müllvermeidung ist der beste Schutz vor Verunreinigungen.
Finanziert wird das Projekt gemeinsam vom Gewerbeverein, der Gemeinde sowie mehreren Mitgliedsunternehmen.