Rampen in Fehmarnsund und Holzsteg am Südstrand – TSF baut aus

Barrierefreiheit auf Fehmarn: Neue Wege an die Ostsee

09.07.2026, 15:44 Uhr
Von: Nicola Krüger
Fehmarnsches Tageblatt

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Tourismusdirektor Oliver Behncke (r.) und Bauhof-Teamleiter Markus Majewski an der neuen, 20 Meter langen Wassereinstiegshilfe am Südstrand

Tourismusdirektor Oliver Behncke (r.) und Bauhof-Teamleiter Markus Majewski an der neuen, 20 Meter langen Wassereinstiegshilfe am Südstrand © Nicola Krüger

Das Thema Barrierefreiheit ist auf der Insel in aller Munde. Auch beim Tourismus Service Fehmarn wird dem mittlerweile hohe Priorität zugewiesen. Was hat sich getan in den letzten Wochen und Monaten?

Zwölf Meter Aluminium in Fehmarnsund, 180 Meter Holzsteg mit Pavillon am Südstrand: Auf Fehmarn sind an zwei Stellen neue Wege ans Wasser entstanden. Beide Projekte sollen Menschen den Zugang zum Meer erleichtern. Doch sie verfolgen unterschiedliche Ziele: Während der neue Strandabschnitt am Südstrand offiziell barrierefrei ist, will die Anlage in Fehmarnsund dies ausdrücklich nicht versprechen.

Damit reagiert der Tourismus-Service Fehmarn (TSF) auf ein Problem, das im vergangenen Jahr unter anderem durch einen Bericht des NDR sichtbar wurde: Für viele Menschen mit Behinderung war der Weg an den Strand bislang mit großen Hürden verbunden – oder gar nicht möglich.

Südstrand Burgtiefe: Ein Strandzugang für alle

Barrierefreiheit ist am Südstrand kein neues Thema. Bereits private Strandkorbvermieter hatten auf eigene Kosten spezielle Strandkörbe angeschafft, die laut Betreiberangaben gut angenommen werden. Im Beach-Café Strandbrise gibt es seit rund vier Jahren eine Pflegeliege, am Hauptaufgang des Südstrands besteht zudem ein Steg mit Wasserzugang und Sitzmöglichkeiten.

Nun hat der TSF mit einem deutlich größeren Projekt nachgezogen. Am westlichen Ende des Südstrands in Burgtiefe, nahe der Westmole, entstand über den Winter ein barrierefreier Strandbereich. Fertiggestellt wurde er kürzlich. Der Bauhof setzte die Anlage in Eigenleistung um. Die Materialkosten beliefen sich auf rund 15000 Euro. Herzstück ist ein 180 Meter langer Bohlenweg vom Strandzugang Nummer 3 bis zu einem vier mal vier Meter großen offenen Pavillon mit Sitzbänken. Von dort führt der Weg weiter bis zur Wasserkante.

Auf 180 Metern Länge führt der neue Bohlenweg am Südstrand auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen bequem über den Sand.

Auf 180 Metern Länge führt der neue Bohlenweg am Südstrand auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen bequem über den Sand. © Nicola Krüger

Ein 20 Meter langer Handlauf ermöglicht den Einstieg ins Wasser und reicht bis zu 1,10 Meter tief. Die Pfähle, auf denen der Handlauf steht, sind zwei Meter hoch und einen Meter tief eingespült.

Ein weiterer Steg verbindet den Pavillon mit dem SUP-Verleih samt Getränke- und Eisverkauf. Im Pavillon stehen zudem Schwimmrollstühle bereit. Wie die anderen Strandstege wird auch dieser Bereich saisonal auf- und abgebaut, um Schäden durch Winterstürme und Hochwasser zu vermeiden.

Im neuen Pavillon am Südstrand stehen zwei spezielle Schwimmrollstühle zur Verfügung.

Im neuen Pavillon am Südstrand stehen zwei spezielle Schwimmrollstühle zur Verfügung. © Nicola Krüger

Tourismusdirektor Behncke: "Müssen inklusiver denken"

Entwickelt wurde das Projekt von Bauhof-Teamleiter Markus Majewski. Die Idee entstand auch aus persönlicher Erfahrung: „Aus eigener familiärer Erfahrung weiß ich, welche Barrieren einen Strandbesuch erschweren oder sogar ganz verhindern“, sagt er.

Als Vorbild dienten ihm Lösungen von Mallorca, wo barrierefreie Aufenthaltsbereiche pragmatisch umgesetzt werden. Bei Tourismusdirektor Oliver Behncke sei er damit auf offene Ohren gestoßen: „Wir müssen inklusiver denken.“

Die Lage des neuen Bereichs wurde bewusst gewählt. Gegenüber befindet sich ein Abenteuerspielplatz, dessen Geräte teilweise auch von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen genutzt werden können. Im rund 250 Meter entfernten Bistro „Wave“ gibt es eine barrierefreie Sanitäranlage mit WC und Heißwasserdusche.

Parkplätze befinden sich unter anderem am Strandhotel Bene und am Aussichtsturm Utkieker. Weitere Parkplätze für Menschen mit Handicap plant der TSF auf einer städtischen Fläche westlich des Dünenwegs, Ecke Strandhaferweg, in Höhe der Zuwegung zum Bistro „Wave“.

Von dort aus ist auch der bereits länger bestehende barrierefreie Zugang am Steg West gut erreichbar. „Die meisten Urlauber möchten alles gebündelt haben“, sagt Majewski dazu.

Barrierefreie Angebote gut angenommen und genutzt

Bis zum bewachten und barrierefreien Strandzugang Nummer 3 sind es vom Pavillon rund fünf Minuten. Der Weg ist damit nicht der kürzeste, aber laut Majewski gut mit Rollstuhl oder Kinderwagen nutzbar: „Man kann gut fahren und schieben. Dichter kommen wir im Moment nicht ran.“

Die neue Anlage wird inzwischen nicht nur von Menschen mit Behinderung genutzt. Auch ältere Gäste, Familien mit Bollerwagen oder Badegäste, die den heißen Sand vermeiden möchten, greifen auf den Holzweg zurück. Für Behncke zeigt sich daran ein Grundprinzip: „Maßnahmen, die für Menschen mit Einschränkungen gut sind, sind für alle gut.“

Auch der NDR-Bericht aus dem vergangenen Jahr habe den Handlungsbedarf deutlich gemacht: „Der NDR hat mit seinem Bericht den Finger in die Wunde gelegt.“

Zwölf Meter lange Aluminiumrampen sollen in Fehmarnsund das Passieren des Steinwalls erleichtern.

Zwölf Meter lange Aluminiumrampen sollen in Fehmarnsund das Passieren des Steinwalls erleichtern. © TSF

Fehmarnsund: Erleichterung ja, Barrierefreiheit nein

Ganz anders ist der Anspruch am Fehmarnsund. Der dortige Strandabschnitt war bisher nur über ein Deckwerk aus großen Steinen erreichbar – für viele Menschen ein kaum überwindbares Hindernis. Die neue Lösung besteht aus zwei Aluminiumrampen mit rutschfestem Belag aus glasfaserverstärktem Kunststoff.

Sie sind zwölf Meter lang, fast zwei Meter breit und höhenverstellbar, damit sie sich an wechselnde Strandhöhen anpassen lassen. Die Investition beläuft sich auf rund 75000 Euro und wurde aus der Kurabgabe finanziert. Ein externer Dienstleister baut die Rampen vor Ostern auf und nimmt sie im Oktober wieder mit einem Kran heraus, um Schäden durch Hochwasser zu vermeiden.

Doch eines betont der TSF ausdrücklich: Barrierefrei ist diese Anlage nicht. Der Wunsch nach einer solchen Erleichterung sei von Bürgern, Gästen und der Politik an den TSF herangetragen worden, sagt Behncke. Mit der neuen Anlage habe der Tourismus-Service diesen Wunsch umgesetzt. Der Tourismuschef sieht die Rampen als praktische Hilfe, nicht als vollständige Lösung. Sie sollen den Zugang zum Strand erleichtern und vor Stürzen schützen – mehr nicht. Der Grund dafür sei die besondere Situation vor Ort. Fehmarnsund sei ein Naturstrand.

Dort könne man Erleichterungen schaffen, eine vollständige Barrierefreiheit sei aber kaum umzusetzen.

Die neue Rampe am Fehmarnsund erleichtert den Zugang zum Strand, endet aber im Sand.

Die neue Rampe am Fehmarnsund erleichtert den Zugang zum Strand, endet aber im Sand. © TSF

Anders sei die Situation an bewirtschafteten und konzessionierten Badestränden wie dem Südstrand. Die Seniorenbeauftragte der Stadt Fehmarn, Francesca Caci Jahn, begrüßt zwar, dass sich am Fehmarnsund etwas bewegt – ganz überzeugt ist sie von der Lösung jedoch nicht.

„Grundsätzlich sind wir immer dafür und vor allem für Gleichberechtigung. Es wurde Zeit, dass auch dort was gemacht wird. Es ist eine schöne Idee, aber leider nicht zu Ende gedacht.“

Francesca Caci Jahn

Ihr Hauptkritikpunkt: Der Weg zurück. Wer mit eigener Kraft im Rollstuhl oder mit Gehhilfen unterwegs ist, könne die Rampe zwar hinunterfahren, komme aber möglicherweise nicht selbstständig wieder hinauf.

Zudem endet die Konstruktion direkt im Sand. Eine Alternative hatte Caci Jahn bereits früher vorgeschlagen: Matten statt einer festen Rampenkonstruktion. In Wulfen scheiterte diese Idee jedoch am Naturschutz, weil brütende Vögel betroffen gewesen wären.

Zwei Projekte, ein Ziel – unterschiedliche Ansprüche

Die beiden Projekte des TSF verdeutlichen zwei unterschiedliche Ansätze im Umgang mit Barrierefreiheit. Der TSF begründet den Unterschied mit den Bedingungen vor Ort: Naturstrand auf der einen Seite, konzessionierter Badestrand auf der anderen.

Für Francesca Caci Jahn zählt am Ende jedoch vor allem eine Frage: Können Menschen mit Behinderung selbstständig ans Wasser gelangen – und auch wieder zurück? Beim neuen Strandabschnitt am Südstrand fällt ihr Urteil eindeutig aus: „Selbstständig ans und ins Wasser zu gelangen ist für viele ein bisher unerfüllter Wunsch. Bitte mehr davon.“

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