Das Jugendmusical „Die Flut“ begeisterte vor der Kulisse des Hafens Burgstaaken
Als das Meer zur Bühne wurde
22.07.2026, 11:05 Uhr
Fehmarnsches Tageblatt
Das Jugendmusical „Die Flut“ hat auf seiner Tournee Station im Hafen Burgstaaken auf Fehmarn gemacht. 30 junge Künstlerinnen und Künstler erzählten an Bord des Dreimastschoners „Swaensborgh“ die Geschichte von Noah und der Sintflut neu – mit Live-Musik, Schauspiel, Tanz und spektakulären artistischen Darbietungen.
Passender hätte die Kulisse kaum sein können: Während am Sonntagnachmittag im Hafen Burgstaaken das Jugendmusical „Die Flut“ Station auf Fehmarn machte, türmten sich wenige Kilometer südlich dramatische Wolkenbänke über der Ostsee, als ginge dort gerade die Welt unter. Vor dieser Naturkulisse verwandelte sich die neu angelegte Kaianlage in Anlegestelle, Vorbühne und Open-Air-Theater zugleich.
Vor und auf dem Dreimastschoner „Swaensborgh“ erzählten 30 junge Künstlerinnen und Künstler die Geschichte von Noah und der Sintflut neu. Auf Playback verzichtete das Ensemble: Eine Liveband begleitete die Sängerinnen und Sänger, von denen viele im Laufe des Nachmittags selbst zu Geige, Akkordeon, Saxofon, Posaune, Gitarre, Klarinette oder Klavier griffen, wenn sie nicht gerade mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik Theater spielten, tanzten, am Rigg des Segelschiffs kletterten oder hoch über den Köpfen ihrer Mitspielerinnen und Mitspieler zirkusreife, atemberaubende Nummern am Seil zeigten.
Dramaturgisch verknüpfte das Stück die biblische Arche-Erzählung mit dem rund 3000 Jahre älteren Gilgamesch-Epos, in dem eine dem Noah verblüffend ähnliche Figur namens Utnapischtim eine Sintflut übersteht. „Die Bibel ist einfach geklaut“, rief eine der Darstellerinnen provokant in den Hafen. Ein Kunstgriff, der die alte Geschichte in einen größeren, menschheitsgeschichtlichen Zusammenhang stellte.
Die Künstler schlüpften gleichsam in Noahs Rolle und sprachen in kurzen Selbstauskünften von sich: „Ich bin Noah, und ich bin 16 Jahre alt“, „Ich bin Noah, und ich suche nach Antworten“, „Ich bin Noah, und ich verliere den Glauben“. Bei einem Casting entschied sich, wer einen Platz auf der Arche bekam, und wer nicht.
Eindringlich geriet eine dokumentarisch angelegte Passage, die per Radioreportage-Stil die Hamburger Sturmflut vom Februar 1962 nacherzählte: Sturmwarnungen, die zu spät kamen, brechende Deiche, überflutete Kleingartenkolonien – und am Ende 315 Todesopfer allein in Hamburg, deren Leichen mangels Platz zeitweise auf einer Kunsteisbahn aufgebahrt werden mussten.
Die historische Katastrophe rückte die biblische Erzählung unmittelbar in die eigene norddeutsche Gegenwart. Ergänzt wurde diese Passage durch persönliche Erfahrungsberichte aus dem Ensemble selbst, etwa den einer jungen Darstellerin: „Meine Oma ist zweimal fast ertrunken. Deshalb habe ich oft Angst und kriege Schlafprobleme, wenn ich in freien Gewässern schwimme.“
Gegen Ende des Stücks ließ das Ensemble offene, unbeantwortete Fragen stehen: „Bin ich Noah? Kann ich überhaupt etwas ändern, wenn ich nicht weiß, was man tun kann?“
Das Musical ist Teil einer dreiwöchigen Tournee der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), die das Ensemble mit der „Swaensborgh“ seit dem 9. Juli durch acht Hafenorte zwischen Kiel-Holtenau und Kühlungsborn führt.
Mehr als 60 junge Menschen hatten sich beworben, im Herbst 2025 wurden 30 junge Menschen im Alter von 15 bis 26 Jahren ausgewählt und in sechs Probewochenenden auf die Tour vorbereitet. Mitgewirkt haben das Popinstitut der Nordkirche, die Arbeitsstelle Evangelische Jugend im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, der Bereich Kunst & Kirche des Pädagogisch-Theologischen Instituts sowie Brot für die Welt im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein, das mit einem Aktionsstand rund um die Aufführung vertreten war. Auch der Arbeitskreis Sicherer Hafen Fehmarn war mit einem Infostand vor Ort.
Nach dem Schlussapplaus bedankte sich Christoph Bauch (Gesamtleitung) bei den Gästen: Mit der Aufführung in Burgstaaken sei bereits die sechste Vorstellung der Tour erreicht, insgesamt hätten inzwischen mehr als 2000 Menschen das Musical gesehen. Besonders dankbar zeigte er sich gegenüber dem Wetter: Trotz der bedrohlichen Wolken am Horizont sei es an Land trocken geblieben.
Nach Burgstaaken zieht die „Swaensborgh“ weiter Richtung Travemünde, wo heute die nächste Vorstellung ansteht, bevor die Tournee am 23. Juli mit einem Gottesdienst und dem Finale in Kühlungsborn endet.