Alt-Preetzerin Isolde Sedello wird heute am 5. Juni 100 Jahre alt
Alleinerziehend das Leben gemeistert
05.06.2026, 06:06 Uhr
Von:
Volker Graap
der reporter Plön/Preetz
Danzig, Preetz, Ascheberg – das sind die wichtigsten Stationen im Leben von Isolde Sedello. Am heutigen Freitag wird die freundliche ältere Dame 100 Jahre alt und feiert das Ereignis mit ihren beiden Kindern, Schwiegertöchtern, vier Enkeln und zwei Urenkeln im Restaurant „Alte Schwimmhalle“ in Plön. Worin das Geheimnis ihres hohen Alters liegt, weiß sie selbst nicht. „Der liebe Gott hat mir wohl viel Kraft geschenkt. Auch meine beiden Söhne, die ich allein erziehen musste, haben mich fit gehalten“, schmunzelt sie. Besonders stolz ist sie darauf, dass ihre Jungs ihren Weg gemacht haben: Michael als Bauzeichner, Oliver als promovierter Chemiker.
Geboren wurde Isolde Sedello 1926 in Danzig-Langfuhr. „Das war damals eine Freie Hansestadt mit eigenem Geld und so weiter – bis Hitler kam“, erzählt sie. Sie erinnert sich noch an den Kriegsausbruch am 1. September 1939. Daran, wie das deutsche Kriegsschiff „Schleswig-Holstein“ den ersten Schuss auf die Westerplatte vor Danzig abgab. „Das hat mächtig geknallt. Und dann brachen schon die Kämpfe an der polnischen Post aus.“ Der Krieg beraubte sie ihrer Heimat. Ende Januar 1945 floh sie mit Mutter und Schwester über den Seeweg nach Kiel. Die Familie kam dann bei Bekannten in Preetz unter. „Wir wohnten am Markt 18, direkt gegenüber der Bahnhofstraße, später in einer der Baracken in der Kührener Straße. Mein erstes Geld habe ich im Ernteeinsatz in der Landwirtschaft verdient“, berichtet Isolde Sedello.
Bei der Firma Holm in Kiel machte sie eine Lehre in der Gardinen- und Bettenabteilung und war anschließend im Preetzer Kaufhaus Markmann und bis zum Ruhestand 1986 bei Karstadt in Kiel beschäftigt. 1955 wurde Sohn Michael – unehelich – geboren. Auch ihren 1965 geborenen Sohn Oliver zog sie allein groß. Berufstätig und alleinerziehend in dieser Zeit? „Ich weiß nicht mehr, wie, aber irgendwie habe ich es gepackt. Angeprangert wurde ich nie, ich habe immer gute Menschen um mich gehabt“, blickt sie zurück. Dazu gehörten auch gute Chefs, die ihr ein Kinderbett schenkten. Und die Stadt hat ihr eine Doppelhaushälfte in der Louise-Schröder-Straße vermittelt, die sie über Mietkauf erwarb. Michael Sedello wohnt mit seiner Familie heute noch dort.
Langeweile kennt Isolde Sedello nicht. Als Rentnerin ging sie noch putzen, pflegte ihren Garten, hütete bei den Enkeln ein, trieb im Bugenhagenhaus ein bisschen Sport und fuhr auch ein paar Mal nach Danzig. Ohnehin ist sie nicht zuletzt dank Oliver, der beruflich international tätig war und heute in Hannover lebt, viel herumgekommen und reiste in die Schweiz und mit 83 Jahren noch nach China. „Das war ein tolles Erlebnis. Shanghai ist so groß“, schwärmt die Jubilarin.
Bereits 1999 hatte Isolde Sedello entschieden, das Haus dem Sohn zu überlassen und in eine kleine Wohnung in der Apenrader Straße zu ziehen. Und genauso eigenständig fiel vor vier Jahren der Entschluss, ins Seniorenzentrum „Marienhof“ nach Ascheberg umzusiedeln. „Hier ist es wirklich familiär und wunderbar. Jeden Tag werden Aktivitäten angeboten und ich mache alles mit“, freut sie sich. Pflichttermin sind natürlich die „Mensch ärgere dich nicht“-Runden. Das spielt sie jeden Nachmittag – immer mit den grünen Steinen. „Ich bin eben von der grünen Partei“, sagt sie lachend, aber nicht ohne Hintersinn.
Während des Gesprächs greift die Hundertjährige schließlich zu ihrem Smartphone und zeigt voller Stolz ein Foto ihrer Enkelin, die kürzlich in Weiß in der Kapelle Sophienhof geheiratet hat. „Ich bin mit meinem Leben rundum zufrieden und bin mit jedem Menschen klargekommen. Ich habe aus allem das Beste gemacht“, zieht sie Zwischenbilanz. Ihre glücklichsten Momente? „Die Geburt meiner Söhne und dass ich immer Unterstützung erfahren habe“, meint Isolde Sedello. Sie ist wirklich die Freundlichkeit in Person.