Eutiner Fotografin Claudia Kroth zeigt Porträts von Menschen aus aller Welt

80 Jahre, unzählige Begegnungen

24.06.2026, 15:56 Uhr
Von: Volker Graap
der reporter Eutin/Malente

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Am 15. Juni ist Claudia Kroth 80 Jahre alt geworden. In ihrem Leben ist sie wahnsinnig viel gereist und hat unzählige Menschen, denen sie begegnete, porträtiert.

Am 15. Juni ist Claudia Kroth 80 Jahre alt geworden. In ihrem Leben ist sie wahnsinnig viel gereist und hat unzählige Menschen, denen sie begegnete, porträtiert. © Volker Graap

Zu ihrem 80. Geburtstag hat sich Claudia Kroth aus Eutin selbst das schönste Geschenk gemacht: Unter dem Titel „Begegnungen“ hat die Fotografin eine Ausstellung gestaltet, die 44 Schwarzweiß-Porträts von Menschen zeigt, die sie auf ihren vielen Reisen und in Deutschland vor die Kamera gebeten hat. „Sie leben in oder stammen aus China, der Mongolei, Sibirien, Ruanda, dem Irak, Kasachstan, Indien, der Türkei, Barbados, Nepal, Afghanistan, Oman und Deutschland“, berichtet die Künstlerin, die vor sechs Jahren aus Köln in die norddeutsche Provinz gezogen ist. Eröffnet wird die Bilderschau am Sonntag, 28. Juni, um 11.30 Uhr im Forum Eutin, Bismarckstraße 2.

Schon als Kind hat sie das Metier begeistert. „Als ich sieben, acht Jahre alt war, habe ich Fotos von meinen Freundinnen, von meiner Schwester oder meiner Mutter gemacht“, erinnert sich Claudia Kroth und zeigt die Beweisfotos im Familienalbum. „Mein Vater hatte mir damals eine AGFA Clack geschenkt, ein einfach zu bedienender Fotoapparat, der mich viele Jahre begleitet hat.“ Zunächst allerdings nicht beruflich: Nach einer Lehre als Goldschmiedin studiert Claudia Kroth Kunst. Doch mit ihrer ersten großen Reise ins Himalaya wurde die Kamera zu ihrem ständigen Begleiter. Ihre Fotografie-Lehrjahre bei Professor Arno Jansen in Köln sind ihr nach wie vor präsent. „Mit Ende 40 habe ich nichts anderes mehr gemacht als fotografiert“, erzählt sie.
Natürlich hat Claudia Kroth auch Landschaften und Architektur eingefangen, ein besonderes Faible hat sie jedoch für die Porträtfotografie entwickelt. Bilder, die faszinieren, weil die Fotografin neugierig auf jeden zunächst fremden Menschen ist und weil sie in jedem Charakterkopf das Besondere sucht: die Strahlkraft oder den kleinen Funken, der beim Betrachten überspringt. „Wenn ich eine Person porträtiere, bin ich immer am Potenzial, das in ihr steckt, interessiert. Nicht an Leid oder Elend, sondern am Positiven“, betont Claudia Kroth. „Ein Gespräch ist wichtig, weil ich immer etwas erfahre, was für meine Sicht auf die Person von Bedeutung ist. Auch ich muss offen und zugewandt sein, denn ich kann nicht etwas erwarten, was ich selbst nicht vermittle.“
Ein Porträt hält sie für gelungen, wenn der Betrachter etwas von der Eigenheit und Ausstrahlung des Menschen, den sie fotografiert hat, erkennen und spüren kann. „Die Wahl des Hintergrunds, der Bildaufbau, die Gewichtung – das alles muss man lernen. Entscheidend ist für mich aber die Natürlichkeit und die Lockerheit. Das spielt sich auf der Gefühlsebene ab, für die es keine Anleitung gibt“, meint die Künstlerin. Und warum am liebsten in Schwarzweiß? „Wir leben in einer von Farben überfluteten Welt. Schwarzweiß ist zurückhaltend und – was den Ausdruck angeht – intensiver. Ich kann aber auch anders“, erläutert sie und verweist auf einen farbenfrohen Bildband über Menschen im Kölner Karneval.
Der Titel der Ausstellung ist übrigens doppeldeutig. Gemeint sind nicht nur ihre Begegnungen mit den abgelichteten Personen. „Mein Anliegen ist, Menschen zu Begegnungen mit anderen Menschen anzuregen und dazu, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dafür ist es wichtig, sich füreinander zu interessieren. Für mich zählen die Begegnungen mit Menschen zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben. Die Freude an der Verschiedenheit von Menschen, aber auch den Übereinstimmungen zwischen ihnen möchte ich gerne teilen“, so Claudia Kroth.
Auch mit 80 Jahren hat ihr Interesse an Menschen und am Porträt nicht nachgelassen. „Durch meine intensive Auseinandersetzung mit der Fotografie und dem Zeichnen fühle ich mich nicht alt, meistens jedenfalls“, sagt Claudia Kroth mit einem Lächeln. Zurzeit arbeitet sie mit Tochter Laura akribisch an einem Buchprojekt mit viel Lokalkolorit. Es wirft ein Licht auf Menschen und die Orte, die in Eutin das alltägliche Leben prägen. Der Bildband soll im November erscheinen.
Die aktuelle Ausstellung ist bis zum 15. Oktober montags, dienstags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr, montags, dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 04521-701418 zu sehen.

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