Die Eutiner LandFrauen feiern acht bunte Jahrzehnte
80 Jahre „Bildung, Austausch und gelebte Solidarität
21.05.2026, 09:33 Uhr
der reporter Eutin/Malente
Um es gleich vorab zu sagen: Nein, es gab keine selbstgebackenen Torten, die Mitglieder des Eutiner LandFrauenVereins hatten für die Feier ihres großen Geburtstages im Brauhaus reserviert und ließen kochen. Damit ist ein wesentliches Klischee abgehandelt und darf getrost ad acta gelegt werden. Denn der LandFrauenVerein hatte von jeher weit mehr im Sinn und auf Lager als tolle Backrezepte. Entsprechend viel gibt es zu berichten aus den acht Jahrzehnten reger Vereinsarbeit. So lag der Fokus der Veranstaltung dann auch auf den Rückblicken der Frauen, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Gemeinschaft über die Jahrzehnte als wichtige gesellschaftliche Stimme Gehör findet. Ubrigens: So lange wie sie mischt niemand im Lande mit – die Eutiner LandFrauen sind der älteste Verein Schleswig-Holsteins.
Lotte Schmidt nahm die Festgesellschaft mit auf die Reise in die Vergangenheit. Am 9. April 1946 gründeten Elsa Brede aus Barkau und Freya Domes von der Landwirtschaftsschule Eutin den Verein – überwacht von einer britischen Offizierin. Bei den Treffen in privaten Küchen und Lokalen ging es um die bestmögliche Bewirtschaftung der Höfe, um die Ernährung der Menschen sicherzustellen. Zu den Versammlungen brachten die Mitglieder mit, was sie hatten: Holz, Torf, Kohlen und Selbstgebackenes.
Vor allem aber ihr Wissen und ihre Tatkraft. „Networking machen wir seit 80 Jahren“, so brachte es die Vorsitzende des Kreisverbandes, Kathrin Dehn-Schuhmacher, in ihrem Grußwort auf den Punkt. Wie dieses Networking im Einzelnen aussah, davon erzählten auf der Jubiläumsfeier vier ehemalige Vorstandsvorsitzende – zur Freude der Mitglieder, schließlich war es ihre Geschichte, die da geschildert wurde. 1979 fiel die Wahl auf Erika Lenz als Vorsitzende. Ganz locker sei sie in die Kandidatur gegangen, in der Überzeugung, es gebe weitere Bewerberinnen. Es gab nur sie: „Und ich wurde einfach ins kalte Wasser geworfen!“ Das Schwimmen lernte sie rasch, niemand ließ sie untergehen.
Heute sagt sie über ihre Jahre als Vorsitzende: „Es war immer eine Freude!“ Die Vielfalt der Arbeitsfelder von Politik über Kultur bis zur Landwirtschaft faszinierte sie und in ihren Erinnerungen haben Krippenspiel und Ernteball ihren festen Platz neben dem Weltlandfrauenkongress, dem Besuch von Rita Süssmuth und den Begegnungen mit den Vereinen im Osten nach dem Mauerfall. Erika Lenz‘ Lust an Gestalten und Mitreden führte sie bis zum Bundesvorsitz. Auf 21 Jahre Vorstandsarbeit und 13 Jahre Vorsitz bringt es Gundula Kröger-Gamst.
Aus den vielen Erlebnissen hatte die Ehrenvorsitzende drei herausgesucht: die 50-Jahr-Feier in den Schlossterrassen, eine Wienfahrt mit „Schmäh“ inklusive und ein Berliner Gewitterregen, bei dem der LandFrauen-Schirm beste Dienste tat. „Wer schaffen will, muss fröhlich sein“, dieses zeitlose Credo bestätigte sich. In die Zeit des ersten Team-Vorstandes, dem Anke Möller angehörte, fiel mit der Landesgartenschau 2016 ein Großereignis für die Stadt. Die LandFrauen brachten sich mit vielen Aktionen ein und zogen mit ihren freitäglichen Kochshows am Küchengarten die Menschen an. Jubiläum wurde auch gefeiert: Man war stolz auf 70 Jahre LandFrauen.
Anke Möller steht ganz persönlich für ein Leben als LandFrau: Sie wurde Anfang des Jahres für 45 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Kerstin Reinhardt und ihr Team führten den Verein von 2017 bis 2021 und damit durch die belastende Corona-Zeit. Aber die LandFrauen waren und sind krisenfest und nahmen auch diese Hürde. 120 Mitglieder zählt der Eutiner Verein heute.
Ute Witt, Sabine Schwarten, Silke Rückheim und Heike Drews führen als Vorstand die Geschäfte. Längst sind nicht mehr alle in der Landwirtschaft zu Hause. „Stadt Land Frau. Tradition mit frischem Wind“ lautet das Motto. „Sie stehen für Bildung, Austausch und gelebte Solidarität in einer Zeit, in der vieles schneller und unpersönlicher wird“, bescheinigte Ehrengästin Petra Heide, die die Grüße aus dem Landesverband überbrachte, der Festgesellschaft. Werte, die mehr denn je gebraucht werden, womit Pastor Stefan Grützmacher Recht hat, wenn er sagt: „Die Geschichte der LandFrauen ist noch längst nicht fertig erzählt!“. Informationen über das Vereinsleben bietet die Internetseite www.landfrauenverein-eutin.de