Dialogforum: Land macht Kehrtwende und setzt nun doch auf Bäderbahn
50. Jubiläumssitzung mit Überraschungen
03.07.2026, 19:17 Uhr
Von:
Andreas Höppner
der reporter Oldenburg,
Fehmarnsches Tageblatt
Daniela Borgstädt übernimmt von Thomas Keller (l.) den Posten der Sprecherin des Projektbeirats. © Andreas Höppner
Überraschung bei der Jubiläumssitzung des Dialogforums Feste Fehmarnbeltquerung: Das Land Schleswig-Holstein spricht sich nun doch für den Erhalt der Bäderbahn aus. Die Ankündigung sorgte für Zustimmung, wirft zugleich aber neue Fragen zur weiteren Planung auf.
Das Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung ist immer für Überraschungen gut. Selbst im 15. Jahr seines Bestehens bei der gestrigen 50. Jubiläumssitzung im Gewerbezentrum Oldenburg.
Ministerpräsident Daniel Günther war als Gastredner angekündigt, es kam aber Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, auf dessen Initiative das Dialogforum gegründet wurde. Günther hatte kurzfristig der Ruf von Bundeskanzler Friedrich Merz ereilt, der ihn bei der Verkündung der Reformpläne der Regierungskoalition in Berlin an seiner Seite wissen wollte.
Den Part für die Landesregierung übernahm Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel, die an diesem Nachmittag dann für die größte Überraschung sorgte: Das Land spricht sich nun doch für den Erhalt der Bäderbahn aus. Das Land sei bezüglich einer Elektrifizierung im Austausch mit dem Bund.
Die fast beiläufig verkündete Neuigkeit hatte zunächst für ein leichtes Raunen im Publikum gesorgt. In den vergangenen Jahren und bis in die letzten Wochen hatte das Verkehrsministerium immer betont, die Strecke zwischen Lübeck und Neustadt nicht bedienen zu wollen.
„Die Bäderbahn ist eine Erfolgsstory“, sagte auch Landrat Timo Gaarz (CDU), der daran erinnerte, dass der Kreistag sich bereits 2013 für den Erhalt ausgesprochen hatte. Gaarz hat die Kehrtwende des Landes ebenfalls überrascht. Für eine vernünftige Anbindung der Bäder wie Timmendorfer Strand und Scharbeutz bedürfe es deshalb unbedingt eines dritten Gleises am neuen Haltepunkt Ratekau/Timmendorfer Strand, so Gaarz.
Dies untermauerte auch der Ratekauer Bürgermeister Thomas Keller in seiner letzten Sitzung als Sprecher des Projektbeirats. Nach zehn Jahren wurde er aus seinem Amt mit viel Beifall verabschiedet. Als Nachfolgerin wurde Fehmarns Regionalmanagerin Daniela Borgstädt vom Dialogforum bestätigt. Mit der Scharbeutzer Bürgermeisterin Bettina Schäfer gibt es ab sofort auch eine Stellvertreterin.
Daniela Borgstädt ist überzeugt, gemeinsam mit Bettina Schäfer ein starkes Team an der Spitze des Projektbeirats zu bilden. Gegenüber dem FT sagte sie, Schäfer bringe ihre Expertise aus dem Bürgermeisteramt ein und komme aus dem Süden des Kreises, wo die komplexen Bauarbeiten noch bevorstehen würden. Sie hingegen aus dem Kreisnorden, wo bereits gebaut werde.
Sie habe hier auf Fehmarn die Erfahrung gemacht, dass für die Betroffenen in der praktischen Umsetzungsphase der Projekte mitunter mehr erreicht werden könne, „als es in der Planungsphase der Fall war“. Da sie auch am auf Regierungsebene tagenden deutsch-dänischen Konsultationsgremium teilnehme, hoffe sie, dass kurze Wege zum Bundesverkehrsministerium sich positiv auf die Arbeit des Projektbeirats und des Dialogforums auswirken können.
Thomas Keller unterstrich in seinen letzten Ausführungen noch einmal die positiven Wirkungen beider Gremien auf die Planungen. „Wir haben ganz andere Planungen, als uns die Bahn 2009 im Kreistag vorgestellt hat.“ Viele Bedenken aus der Region hätten eingearbeitet werden können, gleichwohl seien es aber keine Planungen, „wo alle hurra schreien“. Denn viele Punkte seien auch nach 15 Jahren Dialogforum noch nicht abgearbeitet. Auch er wiederholte die Forderung nach dem dritten Gleis. Hierfür müsse das Land die Planungen anschieben.
Auch die Bahn zeigte sich etwas überrascht von der Ankündigung der Staatssekretärin. Ein Bahnsprecher verwies darauf, dass Bäderbahn sowie Aus- und Neubau der Schienentrasse von Lübeck nach Puttgarden planerisch voneinander getrennt werden müssten. Bei der aktuellen Planung bestimmter Abschnitte würde es bei möglichen Umplanungen unweigerlich zu Verzögerungen kommen, warnte er.