47. Inselschwimmen in Malente: Im Freiwasser den eigenen Rhythmus finden

13.07.2026, 09:06 Uhr
Von: Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente

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Ein Bericht über das 47. Inselschwimmen im Malenter Strandbad am Dieksee muss mit ihnen beginnen: Die Ehrenamtlichen der DLRG Malente begleiteten die Starterinnen und Starter, die sich von den herausfordernden Bedingungen nicht schrecken ließen, auf ihren SUPs und trotzten ihrerseits Windstärke 6, bis die Letzten sicher wieder im Ziel waren.

Ein Bericht über das 47. Inselschwimmen im Malenter Strandbad am Dieksee muss mit ihnen beginnen: Die Ehrenamtlichen der DLRG Malente begleiteten die Starterinnen und Starter, die sich von den herausfordernden Bedingungen nicht schrecken ließen, auf ihren SUPs und trotzten ihrerseits Windstärke 6, bis die Letzten sicher wieder im Ziel waren. © Astrid Jabs

Wassertemperatur 19,3 Grad, Windstärke 6 – normalerweise wäre bei diesen Bedingungen im Strandbad am Dieksee wohl nicht viel los gewesen, denn klassisches Badewetter sieht selbst für Norddeutsche anders aus. Am vergangenen Sonntag aber herrschte trotzdem reichlich Betrieb in der schönen Badeanstalt in Malente. 94 Schwimmer*innen nahmen die Herausforderung an.

Viele im Neoprenanzug, andere in Badehose oder Badeanzug, alle aber mit der Badekappe auf dem Kopf, die die Startnummer und anhand der Farbe auch die Streckenlänge gut erkennen ließ. Wichtig für die „Buchführung“, denn auch wenn es für viele beim Inselschwimmen in erster Linie ums Dabeisein geht, ist für die teilnehmenden Leistungschwimmer*innen sportlicher Ehrgeiz im Spiel und Zeiten und Platzierung werden sorgfältig dokumentiert. Für Holger Hüttermann stoppte die Uhr nach 1:05:07 Stunden. Es bedeutete den Sieg über die 3.800 Meter, die längste Strecke des Inselschwimmens. Um 8.30 Uhr hatte Bürgermeister Heiko Godow die 27 Schwimmerinnen und Schwimmer auf den Kurs geschickt, den Wettkampfleiter Tobias Behr gewissenhaft an die Bedingungen angepasst hatte. Eine Umrundung der „Liebesinsel“, die dem Event seinen Namen gegeben hat, fiel diesmal aus. Der Wellengang verlangte nicht nur denen im Wasser alles ab, auch die DLRG-Crew, die die Rennen auf Rettungsbrettern begleitete, brauchte alle Kraft.

Wie man eine solche Herausforderung meistert, erzählte der Malenter Triathlet Holger Hüttermann nach der Siegerehrung: „Was zählt, ist der nächste Zug, man kommt in einen Flow, das ist das faszinierende Erlebnis. Der Gegner ist gar nicht mehr das Thema“, beschrieb der erstplatzierte Langstreckler, der das Gefühl mit dem bei einer Meditation verglich. Als allerdings die Zielleine näher rückte, tauchte er doch aus dem Tunnel auf: „Ich habe überlegt, wie meine Startnummer lautet“, verriet er lachend. Dass er nach den 3,8 Kilometern als Erster aus dem Wasser kam, bedeutete ihm viel. Nicht nur, weil er als Lokalmatador startete. Es ist kaum mehr als ein Jahr her, dass Hüttermann von einem Schlaganfall aus der Bahn geworfen wurde: „Und jetzt bin ich voll wieder da“, stellte er fest. Eine bewegende Geschichte und eine, die Mut macht, weil sie zeigt, dass Sport in Krisen Halt geben kann.

Während Holger Hüttermann seine Urkunde schon sicher hatte, bereiteten sich diejenigen vor, die es mit den 1.500 und den 800 Metern aufnehmen wollten. Vier der Tapferen brachen vorzeitig ab – eine vernünftige individuelle Entscheidung, für die es entsprechend Zuspruch gab: „Im Freiwasser zu schwimmen, ist natürlich ganz anders als das Training in der Halle“, erklärte Caren Kügler. Gerade für Unerfahrene kann zum Beispiel die Atmung zum Problem werden, wenn die Wellen permanent ins Gesicht schwappen.

Der Start in die Freiwasser-Herausforderung.

Der Start in die Freiwasser-Herausforderung. © Astrid Jabs

Die Ehrenamtlichen der DLRG jedenfalls waren in großer Zahl präsent, jederzeit einsatzbereit und ihrerseits dank des regelmäßigen Trainings bestens präpariert. Die acht Rettungsbretter wurden von zwei Booten der Freiwilligen Feuerwehren Scharbeutz und Timmdorf unterstützt. Zu den Aufgaben, die gut sichtbar erledigt werden und zu denen zum Beispiel auch das Setzen der Bojen gehört, kommen diejenigen, die vorab zu bewältigen sind: Sponsoren für die Badekappen müssen gefunden werden, die Fünf-Seen-Fahrt muss informiert sein und ihren Kurs anpassen, die Ehrenamtlichen sind zu koordinieren. Die Liste ließe sich fortsetzen und am Ende klappte einmal mehr alles von der Begrüßung bis zum heißen Tee im Ziel.

Nicht zuletzt wegen dieser guten Organisation und der familiären Stimmung ist das Inselschwimmen für viele Schwimmfreudige als Termin gesetzt. Alexander Bauer war zum dritten Mal dabei und in bester Begleitung seines Freundes Christoph Rachstein und dessen Kinder Johanna Peter und Anton Peter. „Ich habe einfach Spaß am Schwimmen und ich mag die Strecke hier“, sagte Bauer, der auf den 1.500 Metern vor allem die Stille genießt. Die Geschwister Peter sind als Leistungsschwimmer im Verein drei- bis viermal in der Halle. Gab es für sie ein sportliches Ziel: „Schneller sein als mein Bruder“, meinte Johanna Peter trocken. Das gelang, sie kam ein paar Züge vor dem Jüngeren an die Zielleine. Und das zufriedene Ziellächeln von Christoph Rachstein verriet, dass auch er geschafft hatte, was er sich vorgenommen hatte: „Den eigenen Rhythmus zu finden.“

Das nächste Event im Strandbad ist schon geplant: „Am 23. August laden wir zum Turmspringen ein“, kündigte Bademeister Rainer Coen, die „gute Seele“ des Strandbades, energiegeladen an. Von den anspruchsvollen 3.800 Metern, die auch er gewuppt hatte, war ihm da schon nichts mehr anzumerken.

Alexander Bauer (re.) ging mit seinen Freunden Johanna und Anton Peter und Christoph Rachstein (hinten) auf die 1.500 Meter-Strecke.

Alexander Bauer (re.) ging mit seinen Freunden Johanna und Anton Peter und Christoph Rachstein (hinten) auf die 1.500 Meter-Strecke. © Astrid Jabs

Sieger mit besonderer Geschichte: Holger Hüttermann aus Malente war der Schnellste über die 3.800 Meter.

Sieger mit besonderer Geschichte: Holger Hüttermann aus Malente war der Schnellste über die 3.800 Meter. © Astrid Jabs

Insgesamt 94 Schwimmer*innen nahmen die Herausforderung an.

Insgesamt 94 Schwimmer*innen nahmen die Herausforderung an. © Astrid Jabs

Verlässliche Unterstützung kam von den Feuerwehren Scharbeutz und Timmdorf.

Verlässliche Unterstützung kam von den Feuerwehren Scharbeutz und Timmdorf. © Astrid Jabs

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