25. Motorradgottesdienst in Süsel: „Energie, Sound und Leben in der Kirche“
21.09.2026, 10:49 Uhr
Von:
Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente
Muss man das Wetter überhaupt erwähnen? Allenfalls kurz, denn dass der graue Himmel aus dem 25. Motorradgottesdienst in Süsel aus „Openair“ „Indoor“ machte, tat dem Geist der Veranstaltung keinen Abbruch: „Wir kommen wegen der Gemeinschaft und um einen anderen, moderneren Gottesdienst zu erleben“, berichteten Tanja und Peter Schleuß aus Scharbeutz, die schon ein paarmal dabei waren.
Nach 5.300 Kilometern auf dem neuen Kymco CV3 war der Mogo ein passender Saisonabschluss für Peter Schleuß. Dass Rollerfahrer zur Biker-Gemeinschaft gehören, ist in Süsel selbstverständlich: „Und auch auf der Straße wird man öfter gegrüßt als früher“, merkt Kay Kastner aus Pönitz an. Für ihn fühlt sich das Unterwegssein auf dem Roller an, „als ob man mit dem Sofa fährt.“ Dabei weiß er auch die schweren Maschinen zu schätzen und hat den Mogo schon dreimal als Polizist auf dem Motorrad begleitet. Diese Aufgabe übernahmen nun die „Kollegen“. Marco Schneck und Philip Setzke gehören zu den Beamten des Polizei-Autobahn- und Bezirksreviers Scharbeutz. Auf ihre Einsätze sind sie dank entsprechender Lehrgänge bestens vorbereitet: „Und die meisten fahren auch privat Motorrad“, berichtet Marco Schneck. Hatten sie am Vortag noch eine Oldtimer-Ausfahrt auf Fehmarn gesichert, gaben sie nun der Süseler Kolonne sicheres Geleit. Neben vielen alten Hasen gab auch Hannes Tamm Gas. Der 16-Jährige hat am 5. Mai seinen Führerschein gemacht. Eine Favoritenstrecke hat er schon ausgemacht: Am liebsten war er in diesem Sommer an der Promenade in Scharbeutz und Haffkrug unterwegs. Seine Yamaha WR 125X dürfte dabei viele Blicke auf sich gezogen haben: „Ich habe sie mit meinem Onkel und meinem Vater gestaltet“, verriet er. Vor die Ausfahrt hat die kirchliche Ordnung an diesem Sonntag die Andacht gesetzt. Hannes‘ Onkel gehörte zum Mogo-Vorbereitungsteam, das einen lebendigen Gottesdienst ins Rollen brachte, in dem Vollgas und innere Einkehr sich die Waage hielten. Zu denen, die sich dieses besondere Kirchenerlebnis nicht entgehen lassen wollten, gehörte Pröpstin Christine Halisch. Sie bescheinigte dem Mogo-Team: „Ihr bringt Energie, Sound und das Leben in die Kirche.“ Stilecht mit Boots und Lederarmbändern ausgestattet, gab sie sich als Gleichgesinnte zu erkennen und meinte launig: „Die Pröpstin ist die Bikerin unter den Kirchenleuten.“ Auf diese Worte folgte die Tat: Als Sozia nahm Christine Halisch an der Ausfahrt teil. Nicht, ohne zuvor den Talar gegen einen Lederanzug getauscht zu haben. Momente der Stille gehörten dem Gedenken an Verstorbene und der Pflanzung des Korbinian-Apfelbaums vor der Kirche. Von Korbinian Aigner während seiner Gefangenschaft im KZ Dachau gezüchtet, soll er als Symbol für Frieden und Demokratie reichlich Früchte tragen.