„Born to be wild“ in St. Laurentius
25. Motorrad-Gottesdienst in Süsel
09.09.2026, 09:59 Uhr
Von:
Astrid Jabs
der reporter Eutin/Malente
Unseren Titel-Models dürfte es dieser Tage besonders in der Gashand kribbeln, denn den begeisterten Motorradfans steht ein Saisonhöhepunkt ins (Gottes-)Haus. Sie gehören zu dem Team, das den 25. Süseler Motorrad-Gottesdienst vorbereitet hat. Am kommenden Sonntag, 13. September, läuten um 10 Uhr die Glocken der St. Laurentius-Kirche für diesen etwas anderen Gottesdienst, in dem das A nicht nur für Abendmahl, sondern auch für Ausfahrt steht. Das Motto lautet in diesem Jahr „Vollgas?“. Seit Mai laufen die Vorbereitungen.
Man kommt nicht sofort darauf, dass die K75 und die Süseler St. Laurentiuskirche etwas gemeinsam haben: „Die K 75 hat drei Zylinder und unsere Kirche ist dreischiffig“, erklärt Pastor Matthias R. Hieber. Das BMW-Motorrad ist das Logo für den Motorrad-Gottesdienst, der jedes Jahr am zweiten Septembersonntag die Kirche zum Start- und Zielpunkt für eine Ausfahrt macht. Es ist ein Kirchgang der besonderen Art mit Begrüßungskaffee und Croissants und reichlich PS, in dem der Pastor nicht allein vor dem Altar steht: „Der Gottesdienst wird im Team gestaltet, meine wesentliche Aufgabe besteht darin, das Abendmahl einzusetzen“, merkt Matthias R. Hieber gutgelaunt an.
Dieser lockere Ton ist typisch „Mogo“. Im Mai beginnen alljährlich die Vorbereitungen. Gut 15 Menschen bringen ihre Zeit und ihre Ideen ein dafür, dass alles gelingt. Die Ausfahrt wird in Abstimmung mit der Polizei geplant, die Verpflegung organisiert und natürlich der Ablauf des Gottesdienstes erarbeitet. Alle im Orga-Team übernehmen eine Aufgabe, die Küsterin schmückt passend zum Anlass. Roter Faden des Gottesdienstes ist das Motto. In diesem Jahr wird das Thema „Vollgas?“ in Blick genommen: „Viele geben im Leben im Vollgas und wir wollen darüber nachdenken, ob es nicht manchmal richtiger ist zu bremsen“, legt Pastor Hieber dar. Auch der theologische Aspekt spielt eine Rolle: „Erwartet Gott von mir Vollgas? Darüber wollen wir nachdenken“, so der Seelsorger. Die Liedauswahl bildet das Miteinander von Kirche und dem rasanten Hobby ab. Organist Petar Shopov hat schon bewiesen, dass „Born to be wild“ der Orgel genauso gut steht wie die Choräle aus dem Gesangbuch. Verstärkung erhält er von der Band „Die Fragezeichen“. Bei gutem Wetter feiert die Biking-Gemeinde openair, aber der Mogo gelingt auch unterm schützenden Dach der Kirche, falls es regnen sollte. In den 26 Jahren, die der Mogo besteht, ist er nur einmal ausgefallen – coronabedingt.
Glaube und Motorradleidenschaft führen zusammen
Im Mogo haben schon Taufen stattgefunden, Paare begingen Ehejubiläen. Pastor Dietmar Sprung hat das Format nach Süsel geholt, sein Nachfolger Matthias R. Hieber übernahm später. Als Jugendlicher hatte er einen „kleinen Schein“, den Motorradführerschein hat er 2019 gemacht. Wenn er von Touren mit seinem Sohn erzählt, leuchten seine Augen. Dieses Glänzen teilt er mit seinen Mitstreiter*innen. Sie lieben die Freiheit, das Gefühl, der Natur ganz nah zu sein. Beim Vorbereitungstreffen Ende August hört man, dass man die Saison am besten mit einer Fahrt während der Rapsblüte eröffnet, mit einem Jet-Helm, um Frühlingswind und Blütenduft ganz unmittelbar genießen zu können. Auf dem Motorrad, das offenbart sich beim Zuhören, verändert sich der Blick: „Man ist voll konzentriert, denkt an nichts anderes“, so beschreibt es der Pastor. Von solchen Eindrücken können alle berichten, deren Herz für ein Bike schlägt. Nicht zu vergessen: der Austausch über technische Daten, schöne Routen und nette Rastplätze. Die „Maschinengespräche“ sind dann auch ein gewichtiger Grund für die im Schnitt 50 bis 70 Teilnehmenden nach Süsel zu kommen. Zumal der Mogo in St. Laurentius der einzige im Kirchenkreis ist. Man kennt sich – oder man lernt sich kennen: „Viel schätzen das familiäre Klima“, wissen die Verantwortlichen. Bei einem solchen Treffen hat man auch die Menschen im Sinn, die gestorben sind. Motorradfahren ist ein gefährliches Hobby, Dankbarkeit ein entsprechend großes Thema, auch im Gottesdienst: „Es gibt einen ausführlichen Fürbittenteil und wir gedenken derer, die nicht mehr bei uns sind“, ist zu erfahren.
Für alle, die mitwirken, ist der Mogo ein unverzichtbarer Teil der Gemeindearbeit: „Mir gefällt die moderne Kirche, die hier gelebt wird“, sagt Oliver Rühle-Gerdes. Kirche, das war für ihn verstaubt und altbacken: „Pastor Hieber zeigt, dass es auch anders geht!“. Von dieser für Kirche nicht selbstverständlichen Anziehungskraft kann sich auch eine besondere Gästin des 25. Mogos am kommenden Sonntag einen Eindruck verschaffen: Pröpstin Christine Halisch hat die Einladung nach Süsel angenommen. Sie ist auch auf der Ausfahrt dabei, als Sozia. Wird die Maschine, auf der sie mitfährt, extra gründlich geputzt und poliert? Kay Tamm antwortet denkbar trocken: „Nein, wir wollen doch auch authentisch bleiben!“
Wer jetzt Lust bekommen hat, den Jubiläums-Mogo mitzuerleben, ist herzlich willkommen. Der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr, nach der gemeinsamen Ausfahrt kommt man an der Kirche zu Essen und Musik zusammen.