19. Ostsee-Traktorentreffen in Krokau

27.08.2026, 08:40 Uhr
Von:
PROBSTEER

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Zahlreiche Vorführungen machten Landwirtschaft aus früheren Jahren lebendig.

Zahlreiche Vorführungen machten Landwirtschaft aus früheren Jahren lebendig. © Helmut Frei

Die Motoren sind verstummt, doch die Planungen laufen bereits wieder an. Kaum war das 19. Ostsee-Traktorentreffen am 23. August beendet, denken die Organisatoren schon an die nächste Ausgabe in zwei Jahren. Allen voran Jürgen Perkams. Der erste Vorsitzende der Oldtimerfreunde Probstei gilt als Erfinder des Landmaschinenfestivals, das 1981 erstmals stattfand.

Die diesjährige Bilanz fällt aus seiner Sicht positiv aus. 3500 verkaufte Eintrittskarten seien ein gutes Ergebnis. Zu sehen bekamen die Besucher einiges. Und über den rostrot gefärbten Motorblöcken der Lanz Bulldogs aus Baden drehten sich die Flügel der Krokauer Mühle.

Viele Maschinen sind betriebsbereit

Nicht alle alten Traktoren leuchteten in adretten Farben. Aber es ging ja nicht darum, einen zweifelhaften Schönheitspreis zu gewinnen, sondern unter anderem darum, das Funktionieren von alten Mähdreschern und anderen Erntemaschinen vorzuführen. Mit einer Gattersäge kam auch ein Großgerät zum Einsatz, das bei den Oldtimerfreunden Probstei schon länger auf der Wunschliste stand. Die Gattersäge ist in der Lage, einen mächtigen Baumstamm fachgerecht in bohlenartige Scheiben zu zerlegen.

Eine andere der betagten Maschinen spuckt quadratisch geformte Strohballen aus, damit sie entweder mit Muskelkraft oder maschinell auf die Ladefläche eines Anhängers gehievt werden können. Ein Spaziergang über das Ausstellungsgelände mutet an wie ein Ausflug in eine für kurze Zeit wiederbelebte Ära. Anlässlich des Oldtimer-Treffens in Krokau haben die 75 Mitglieder des Vereins auch einige Raritäten präsentiert. Zum Beispiel den „Pollert Erdwolf“, laut Veranstalter „als ältestes Exemplar einer Rübenmieten-Abdeckmaschine“, gebaut vermutlich 1949 in Kiel. Wie dieser Fachbegriff schon andeutet, handelt es sich bei Rübenmieten um eine Art nicht allzu tiefer Graben, in dem Zuckerrüben den Winter überstehen konnten, um anschließend weiterverarbeitet zu werden.

Eine Arbeitsmaschine wird betankt.

Eine Arbeitsmaschine wird betankt. © Helmut Frei

3.500 Besucher rund um die Krokauer Mühle

Um die Mittagszeit füllt sich das als Café für die Besucher genutzte Festzelt. Die Bewirtung lag in den Händen der Frauen, die eine lange Theke mit Kuchen und Getränken aufgebaut haben und so ihren Beitrag zum Ostsee-Traktorentreffen in Krokau leisteten. Zu den Gästen zählt auch ein älteres Ehepaar aus Stakendorf. Er ist 96 Jahre alt, sie 84. Sie erzählen von ihrem Leben im Dorf, ihre Landwirtschaft mussten sie altershalber aufgeben. Sie berichten, wie das früher war, als sie noch auf die Unterstützung durch Angestellte zählen konnten. Die Beiden haben ein Enkelkind mit vier Jahren. Dem Jungen schenkten sie einen Mähdrescher als Modell mit allen Raffinessen geschenkt. Da flackert dann auch die Erinnerung an ihre Vergangenheit als Landwirtsfamilie auf. Und natürlich schauen sie sich draußen auf der Freifläche vor dem Zelt um, wo die großen Landmaschinen gezeigt werden. Mehrere Landwirte haben das Gelände so vorbreitet, dass darauf auch schwere Maschinen fahren können, damit sich die Besucher eine möglichst genaue Vorstellung über die Arbeit auf dem Acker machen. Mitgeholfen hat auch Bauer Jochim Untied, einer der Besitzer der Krokauer Mühle. Sie ist das Wahrzeichen der Probstei, dieser weithin bekannten Kornkammer. Schon 1921 entwickelte Heinrich Lanz, einer der Pioniere des Landmaschinenbaus seinen ersten Bulldog. Seine in Mannheim ansässige Firma übernahm 1956 übernahm der amerikanische Konzern John Deere. Heute haben alte Landmaschinen und nicht zuletzt Traktoren namhafter Hersteller den Rang gesuchter Investitionsobjekte. Jürgen Perkams zum Beispiel, der Vorsitzende der Oldtimerfreunde Probstei besitzt mehrere Lanz-Traktoren, die er beim Krokauer Treffen in Reih und Glied aufstellte. Insgesamt wurden bei der Schau rund 500 größere und kleinere Maschinen präsentiert. Darunter befinden sich etliche Exemplare, die Unternehmen herstellten, die längst vom Markt verschwunden sind. Manche fachkundigen Besucher des Ostsee-Traktorentreffens beschleichen heimische Gefühle, wenn sie die alten Geräte und Traktoren sahen, auf die sie früher große Hoffnungen setzten. Darunter waren kleinere Gefährte, die sich manch ein Nebenerwerbsbauer unter anderem für die Erntearbeit in Obstanlagen anschafften. Dabei kamen auch Traktoren von Porsche zum Einsatz, die heute bei Auktionen Höchstpreise erzielen.

Dieser Porsche-Traktor ist so sorgfältig restauriert, dass er wie neu aussieht.

Dieser Porsche-Traktor ist so sorgfältig restauriert, dass er wie neu aussieht. © Helmut Frei

Ausstellung umfasst breites Themenspektrum

Sichtlich breit geworden ist das Spektrum der Themen, denen sich die Krokauer Schau unter dem Motto „von der Sense zum Mähdrescher“ zugewendet hat. Es mag plausibel erscheinen, den Besuchern einen möglichst tiefen Einblick zu öffnen. Andrerseits ist zu registrieren, dass die Szene von Museen, die sich der Landwirtschaft widmen, sehr breit geworden ist. So wirbt beispielsweise auch das Dorf Owschlag in den Hüttener Bergen mit einem „Landtechnischen Museum“. Doch Jürgen Perkams, der Vorsitzende der Oldtimerfreunde Probstei braucht keine Sorge zu haben, dass er und seine Leute sich in absehbarer Zeit des Zustroms begeisterter Traktorenfans erwehren müssen. Dafür sorgt auch die kluge Entscheidung, die Mitgliederzahl auf 75 zu begrenzen. Ein aktives Mitglied der Oldtimerfreunde Probstei ist auch Jochen Lohmeier aus Wendtorf. Er war von Beruf Mitarbeiter einer Bank und ist nun im Ruhestand. Den nutzt er auch dafür, ab und zu seine Fahrzeuge in Gang zu setzen: einen Fendt-Traktor, einen Porsche-Traktor und einen Hanomag. Die letzten beiden Firmen sind schon vor Jahren aus dem Geschäft ausgestiegen. Jochen Lohmeier betont, ein ganz normales Mitglied zu sein, aber dann zur Stelle zu sein, wenn er Gäste bei einer Tour über das Festgelände begleiten und ihnen einiges erklären kann.

Während etliche Fahrzeuge in adretten Farben leuchten, zieht dieser einsatzbereite Traktor gerade mit seiner rostigen Patina viel Aufmerksamkeit auf sich.

Während etliche Fahrzeuge in adretten Farben leuchten, zieht dieser einsatzbereite Traktor gerade mit seiner rostigen Patina viel Aufmerksamkeit auf sich. © Helmut Frei

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